Verkaufsrang: 9110 (DVD)
Actor: Hanna Schygulla
Actor: Barbara Sukowa
Actor: Rosel Zech
Actor: Armin Müller-Stahl
Actor: Mario Adorf
AspectRatio: 1.75:1
AudienceRating: Freigegeben ab 16 Jahren
Binding: DVD
Brand: ARTHAUS
Director: Rainer Werner Fassbinder
EAN: 4006680034577
Technische Details: FSK 16
Format: Dolby
Format: HiFi Sound
Format: PAL
Label: Kinowelt Home Entertainment/DVD
Languages:
ListPrice:
Manufacturer: Kinowelt Home Entertainment/DVD
NumberOfItems: 3
Verlag: Kinowelt Home Entertainment/DVD
RegionCode: 2
Erscheinungsdatum: 23. August 2005
Spielzeit: 325
Studio: Kinowelt Home Entertainment/DVD
TheatricalReleaseDate: 1982
von: Hanna Schygulla (Hauptdarsteller), Barbara Sukowa (Hauptdarsteller)
Preis: EUR 17,98
Kundenrezensionen zu 'BRD-Trilogie (3 DVDs)'
Fassbinders Nachkriegsdeutschland - 3 Meisterwerke der Filmgeschichte (11. März 2008)
Fast schon eine Seltenheit: eine DVD-Box, in der die enthaltenen Filme tatsächlich zusammen gehören! Die sogenannte BRD-Trilogie von Rainer Werner Fassbinder besteht aus DIE EHE DER MARIA BRAUN, LOLA und DIE SEHNSUCHT DER VERONIKA VOSS. Alle Drei sind filmische Meisterwerke, und obwohl sie alle die Nachkriegsjahre Deutschlands beleuchten, sind sie vollkommen unterschiedlich und zeigen, wie breit das Spektrum des genialen Regisseurs war.MARIA BRAUN war Fassbinders national und international erfolgreichstes Werk, das sogar von deutschen Kritikern anerkannt wurde (die üblicherweise mit Fassbinders Filmen wenig anfangen konnten). Hanna Schygulla spielt die Maria Braun, die nach Ende des Krieges auf ihren Ehemann wartet und sich aus der Not zum Überleben in eine zielstrebige Selfmade-Woman verwandelt, die konsequent ihren Weg geht. Liebe und Gefühle sind nur Mittel zum Zweck, die Ökonomie steht über allem. Fassbinder schildert das Schicksal der Maria Braun als persönlichen Aufstieg ohne Rücksicht auf Verluste. Die Frau muss sich - ebenso wie das gesamte Land - neu erfinden und ihre Rolle definieren. Politisch und gesellschaftlich ist Maria Brauns Deutschland ein Pulverfass, was in der makaberen Schluss-Sequenz seinen sarkastischen Höhepunkt erreicht.
LOLA spielt in den letzten Jahren der Adenauer-Zeit und ist gleichzeitig Satire und Sittengemälde einer typischen Kleinstadt. Armin Müller-Stahl ist der Saubermann vom Baudezernat, der im friedlichen Coburg nach kurzer Zeit der Hure Lola verfällt und Teil eines korrupten Systems wird, das hinter der heilen Fassade regiert. Mit Bezügen zu Sternbergs BLAUEM ENGEL zeichnet Fassbinder in knallbunten Farben und greller Ausstattung ein düsteres Bild der biederen Gesellschaft, die vom Krieg nichts mehr wissen will und nur noch Macht und Geld im Kopf hat. Barbara Sukowa versucht als Hure Lola Teil dieser feinen Gesellschaft zu werden und trotzdem ihre Identität zu behalten. LOLA ist fantastisches Schauspieler-Kino, ungemein unterhaltsam an der Oberfläche und entlarvend in der Tiefe.
VERONIKA VOSS ist dagegen schwärzestes Kino, eine bittere Tragödie. Rosel Zech spielt Veronika Voss, Filmstar der Nazi-Zeit (angelehnt an UFA-Star Sybille Schmitz), die verzweifelt ein Comeback versucht und von einer dämonischen Ärztin in Drogen-Abhängigkeit gehalten wird. Die Geschichte ist zeitlich zwischen MARIA BRAUN und LOLA angesiedelt. Deutschland ist hier ein Land der Verdrängung, aber die Gespenster der Vergangenheit (wie Untote tauchen Rudolf Platte und Johanna Hofer als Überlebende des Konzentrationslagers auf), die keine Berechtigung im Jetzt haben, sind dennoch allgegenwärtig. Veronika Voss ist auch eines dieser Gespenster, ihre Beseitigung ist Teil einer Gewissens-Säuberung durch die Gewissenlosen. VERONIKA VOSS, einer der außergewöhnlichsten Schwarz/Weiß-Filme aller Zeiten, ist ein großes Meisterwerk des Kinos und trifft tief in Herz und Hirn. Anders als die Trümmerlandschaft von Maria Braun oder der Tanz auf dem Vulkan in LOLA ist VERONIKA VOSS auch ein Film der Resignation und Hoffnungslosigkeit, eine bittere Abrechnung mit der ach so heilen Welt der 50er.
Fassbinders Filme bestechen auch dadurch, dass er keinerlei Rücksichten nimmt, weder auf die Charaktere noch den Zuschauer oder den Massengeschmack (LOLA z.B. ist ein Film voller verlogener und korrupter Charaktere, die heute nicht einmal ansatzweise einen Spielfilm bevölkern dürften). Seine Filme sind ehrlich und konsequent, ohne jeden Kitsch oder Pathetik und großartig in der filmischen Umsetzung und der Schauspielführung. Die BRD-Trilogie ist bestes deutsches Kino - anspruchsvoll, unterhaltsam und bedeutend, so wie es heute leider nicht mehr existiert.
Zur DVD-Box: die Bild- und Tonqualität der vorliegenden Filme ist hervorragend, insbesondere die expressiven Schwarz/Weiß-Bilder von VERONIKA VOSS sind fantastisch aufbereitet. Als Bonus gibt es verschiedene Interviews, die Doku "Eine deutsche Geschichte" (ca. 30 Minuten aus dem 3SAT "Kinomagazin") sowie Trailer und Bildergalerien. Für echte Fassbinder-Fans ist die Box ein Muss, sofern man die Einzel-DVDs nicht schon besitzt.
Ein Tipp für Fans: die amerikanische DVD-Box der BRD-Trilogie aus der Criterion Collection bietet (neben der deutschen Tonspur!) etwas mehr als diese deutsche Box, u.a. sehr gute Audiokommentare zu allen Filmen und eine Dokumentation über den Tod der Sybille Schmitz, die Vorlage für VERONIKA VOSS war.




