Kundenrezensionen zu 'In the Aeroplane Over the Sea'
"traurig aber ... (3. August 2007)
wahr" wäre eine gute, knappe Umschreibung für dieses Album. Aber genau genommen bedient Jeff Mangums Hommage an Anne Frank jede Menge verschiedene Emotionen: enthusiastische Höhenflüge, melancholisch-verklärte Lichtblicke und todtraurige Momente ... bestechend wird das ganze vor allem durch die Ehrlichkeit, mit der all das an's Ohr dringt: In the Aeroplane Over the Sea ist nicht makellos sondern echt. Lyrisch wunderschön gezeichnet, musikalisch akustisch-effektiv und dennoch dramatisch auf höchstem Niveau umgesetzt ohne auch nur eine Sekunde "flach" oder "plump" zu wirken. Einfach ein perfektes Album, auch ohne Perfektion.Ultimatives unperfekt perfektes, akustisches Hörerlebnis (21. Oktober 2006)
Mal ganz vorne weg: Wer Wert auf ein abgerundetes Konzept legt ist hier falsch bedient. Neutral Milk Hotel verfolgen irgendein anderes Ziel. Aber man möchte das auch gar nicht herausfinden. Irgendwo zwischen Folk und Country bewegen sich die Songs. Meistens sitzt Jeff Magnum, Frontmann von NMH einfach in einem Raum mit der Gitarre und spielt dem Hörer ein Stück vor. Seine Stimme trifft dabei die richtigen Töne eigentlich nicht. Er versucht dabei vielmehr aus der falschen Tonlage heraus plötzlich in eine andere Tonlage zu springen und damit den Hörer zu überraschen. Natürlich ist das gewollt. Gefühle, aber auch das Verspielte der Band kommen so zum Vorschein. Viel Bläser werden eingesetzt. "The Fool" ist ein Instrumentalstück das sich an schwermütigen Trompeten-Klängen orientiert, dann ein Schnitt. Das rockige "Holland 1945" fängt mit einer hochgestimmten Gitarre an, Jeff Magnum fängt an zu singen und der Melodiebogen wird einem klar - zumindest bei mehrmaligem Hören. "Oh Comely" dauert 8 Minuten, wenn der Song auch erst nur von einer akustischen Gitarre begleitet wird, gibts am Ende noch eine Wendung die man kaum zu beschreiben vermag. Man muss es einfach hören und die Songs auf sich einwirken lassen. Es kommt einem vor als wenn die Band gerade vor einem, in einem kleinen Raum steht und für einen ganz persönlich die Songs spielt, elf an der Zahl. Der Dreiteiler "The King of Carrots and Flowers", der Zweiteiler "Two headed boy" ergeben auf einmal Sinn. Einzelne Songs sollte man vermeiden zu hören, vielmehr gibt die Platte ab, wenn man sie von Vorne bis Hinten durchhört. Nachdem man das Album gehört hat, merkt man, das Alben nicht immer durch geniale Produktion oder durch endlose Kalkulationen genial sein können, sondern auch dadurch, dass sich eine Band sagt: " Jetzt nehmen wir mal eben ein Album auf!" Es gibt auch Ausnahmen (beider Seiten), aber dieshier ist die Regel.Songs über die "Communist Daughter" (27. Februar 2006)
Der geniale Songwriter Jeff Mangum ist wahrscheinlich genauso bekannt wie seine Band "Neutral Milk Hotel", nämlich so gut wie gar nicht. Und das ist sehr schade: denn nach dem tollen und eher experimentellen Debut-Album "On Avery Island" mit seinen Song-Brillanten "Song Against Sex", "A Baby For Pree" oder "Gardenhead" avancierten sie bereits zum Geheimtipp; doch dann erscheint ein Album mit nahezu ausschließlich Akustik-Stücken! Und danach? Gar nichts! So bleibt denn also "In The Aeroplane Over The Sea" ihr Meisterwerk... und was für eins!Mit seinen leicht verspielten Lyrics und teils kryptischen, wunderschönen Metaphern erzählt uns das Genie Mangum von Anne Frank und den Schrecken des Dritten Reiches. Eine unglaubliche, Gänsehaut erregende Authenzität wird dem Hörer hier geboten, mit einer kraftvollen, ehrlichen Stimme. Aber wer meint, hier Songs voller Trauer zu hören, der wird (bis auf das grandiose, 8-minütige "Oh Comely") enttäuscht sein, denn Mangum kann auch anders: "Holland, 1945" (die einzige Single; unbedingt die B-Seite "Engine" anhören!) rockt trotz der sensiblen Lyrics richtig, geanu wie "King of Carrot Flowers, pts. 2&3". Einziger Mangel: zieht man die 2 Interludes ab, kommt man auf nur neun Songs. Aber die haben es in sich; an Intensität gibt es wenig vergleichbares. Entlassen werden wir mit dem zweiten Teil des wunderbaren "Two Headed Boy" mit den Zeilen: "and when we break / we'll wait for our miracle / god is a place you will wait for the rest of your life". Wunderbar melancholisch! Eines der besten Konzept-Alben, die ich je gehört habe! 5 Sterne sind da noch nicht genug...
Herausragendes Album..... (4. Dezember 2005)
...aber mal ehrlich, muß man denn gleich mit dem "Das-beste-Album-aller-Zeiten"-Holzhammer zuschlagen? So wurde bei mir beispielsweise eine Erwartungshaltung erzeugt, die die Platte (natürlich) nicht erfüllen konnte, es ist MUSIK, ziemlich gute, aber das in Aussicht gestellte quasi-religiöse Erweckungserlebnis stellte sich nicht ein - kommt halt drauf an, was der Einzelne der Musik entgegenzutragen bereit ist, bevor man sich auf halbem Weg trifft. Wieviele "Beste Alben aller Zeiten" sind eigentlich derzeit in Umlauf ?Was die Platte meiner Meinung nach heraushebt, ist die doch recht ungewöhnliche Instrumentierung und der ziemlich souveräne Umgang damit - die schneidend-nasale Stimme von Jeff Mangum kratzt an einigen Stellen für meine Begriffe etwas zu sehr an der Nervgrenze, könnte mir aber vorstellen, daß gerade das für den einen oder anderen positiven Ausschlag in Richtung Intensität des Vortrags gibt. Trotzdem eine absolut empfehlenswerte Scheibe, die musikalisch wie textlich stark auf der assoziativen Ebene arbeitet. Reife Leistung.





