Verkaufsrang: 27341 (DVD)
Actor: Sergej Nikonenko
Actor: Wera Alentowa
Actor: Wladimir Samanski
AspectRatio: 4:3
AudienceRating: Freigegeben ab 12 Jahren
Binding: DVD
Director: Juri Kara
EAN: 4028951193998
Format: Dolby
Format: HiFi Sound
Format: PAL
Label: Icestorm Entertainment GmbH
Languages:
ListPrice:
Manufacturer: Icestorm Entertainment GmbH
Verlag: Icestorm Entertainment GmbH
RegionCode: 2
Erscheinungsdatum: 1. Oktober 2005
Spielzeit: 84
Studio: Icestorm Entertainment GmbH
TheatricalReleaseDate: 1986
von: Sergej Nikonenko (Hauptdarsteller), Wera Alentowa (Hauptdarsteller)
Preis: EUR 5,85
Kundenrezensionen zu 'Und morgen war Krieg'
Glasnost und Perestroika als Rettungsanker: Ein sehenswertes Pubertätsdrama vor dem Hintergrund des Niedergangs der Sowjetunion (5. Oktober 2008)
Dieser Film ist ein höchst interessantes künstlerisches Dokument aus der Endphase der Existenz der Sowjetunion. Die Handlung spielt zwar im Jahre 1940, ein Jahr vor dem Überfall des nationalsozialistischen Deutschlands auf die von Stalins Säuberungen militärisch und moralisch geschwächte UdSSR, in Wahrheit aber handelt es sich um eine Parabel, die ganz konkret auf die gespannte politische Lage Mitte der 1980er Jahre anspielt. Zentral geht es um den Gegensatz zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlicher Verpflichtung, zwischen Wahrheitsliebe und blindem Glauben an die Parteidoktrin, wobei dieser Konflikt in einer Art und Weise offen ausgetragen wird, wie sie vor Glasnost und Perestroika unmöglich gewesen wäre.Zum Szenario: Die ca. 15-jährige Schülerin Vika, die eine Schule in einem sowjetischen Provinznest besucht, zitiert auf einer Feier einen politisch verfemten Dichter. Kurz darauf wird ihr Vater, ein angesehener und freidenkerischer Flugzeugkonstrukteur, der etwas an den Raketenbauer Sergei Koroljov erinnert, auf Grund einer Denunziation verhaftet. Daraufhin nimmt sich Vika aus Verzweiflung das Leben und löst damit in ihrer Klasse, der 9b, einen Denkprozess aus, der in offener Rebellion gegenüber der linientreuen Lehrerin und ihre leeren Parolen gipfelt. Aber auch innerfamiliär tuen sich Gräben auf: Die Komsomolsekretärin Iskra, am Anfang ein fast puritanisch wirkendes Mädchen, das bloß die lustfeindlichen Phrasen der Klassenlehrerin und ihrer Mutter nachplappert, beginnt, sich gegen ihre streng auf Parteilinie stehende Mutter, eine verhärmte Bürgerkriegsveteranin, aufzulehnen und organisiert für Vika ein Begräbnis, das sie selbst vor den Betonköpfen der stalinistischen KPdSU in Schwierigkeiten bringen muss.
Offensichtlich war sich der Regisseur Juri Kara vollkommen über den maroden Zustand der damaligen Sowjetunion im Klaren, weshalb die zeitgenössische Lage implizit mit der am Vorabend des Großen Vaterländischen Krieges verglichen wird, der die UdSSR an den Rand des Untergangs brachte. Man erhält dabei den Eindruck, dass damit veranschaulicht werden soll, dass die bevorstehenden Auseinandersetzungen zwischen progressiven und konservativen Strömungen innerhalb des Sowjetstaates ebenfalls existenziellen Charakters sein würden - eine Sichtweise, die man aus der Perspektive des Jahres 1987, in dem der Film entstand, nur als visionär bezeichnen kann. Der Film, der sich an ein junges Publikum richtet und eine poetisch ansprechende Bildersprache verwendet, hat dabei einen durchaus pessimistischen Unterton, vermittelt aber letzlich doch den Eindruck, dass - wie auch schon im Zweiten Weltkrieg - nach verlustreichem Kampf eine reformierte Sowjetunion würde weiterbestehen können. So wird auch keineswegs am kommunistischen System insgesamt gezweifelt, sondern vor allem der idelle Mangel an Diskussionsfähigkeit und die an Aberglaube grenzende Vorstellung einer absoluten und unteilbaren Wahrheit angeprangert, die sich ängstlich gegenüber der Komplexität gesellschaftlicher Prozesse verschließt. Hinter diesem hochpolitischen, aber keineswegs platten Film verbirgt sich also die Hoffnung auf einen demokratischen Kommunismus mit menschlichem Antlitz. Allerdings muss sich Regisseur Kara die Frage gefallen lassen, ob der Film nicht noch wesentlich mehr an Aussagekraft gewonnen hätte, wenn man seine Handlung in die Gegenwart verlegt hätte, was allerdings eine stärker am Realismus orientierte Ästhetik verlangt hätte, die allerdings damals aufgrund des staatlich verordneten sozialistischen Realismus ziemlich verbraucht gewesen sein dürfte. Außerdem bleiben die ebenfalls drängenden ökonomischen Probleme der sowjetischen Planwirtschaft vollkommen unerwähnt. Ein gutes Ideendrama, das allerdings für viele jugendliche Zuschauer zu unanschaulich sein dürfte, da es doch bisweilen in ziemlich abgehobene Reflexionen ausartet, die schon einen höheren Bildungsabschluss voraussetzen.
war selten so bewegt (15. Dezember 2007)
Als ich den Film das erste Mal sah, gab es die DDR noch. Es war Woche der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft und das Kino war voller Schulklassen und Arbeitsbrigaden, die wohl allesamt nicht wirklich freiwillig gekommen waren. Der große Saal war ausgefüllt mit Geschnatter und Gekicher, das auch nicht aufhörte, als der Film begann. Im Gegenteil.10 Minuten später schon hätte man eine Nadel zu Boden fallen hören können. Am Ende des Filmes stand keiner auf. Im Raum herrschte minutenlange Stille. Dann erst verließen die Leute schweigend den Raum.
Aus inzwischen eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer, ja vielleicht unmöglich es ist, jemanden das Leben in einer Zeit zu vermitteln, die er nicht erlebt hat. Wenn ich irgendetwas weiß über das Leben in der stalinistischen Sowjetunion, dann verdanke ich das keinem Geschichtsbuch, sondern nur diesem (sehr komplexen) Film.




