Aus der Amazon.de-Redaktion
Fünf Jahre hat uns Bob Dylan auf neue Songs warten lassen und währenddessen mit allerlei Aufnahmen aus den Bootleg Series und der Neverending Tour bei Laune gehalten. Jetzt endlich legt Dylan ein souveränes, wundervolles Alterswerk vor, das sehr sehr nahe an die allerbesten Alben seiner langen Karriere heranreicht.Seine Band spielt meisterhaft, verglichen mit den rohen, blues-rockenden Live-Auftritten der letzten Jahre deutlich zurüchgenommen zugunsten eines entspannten, swingenden Roots-Sounds aus Folk, Blues, Country und Rock 'n' Roll wie man ihn von Love And Theft noch im Ohr hat. Dylans brüchige Stimme hat schon lange nicht mehr so gefühlvoll singen hören. Und dann die zehn Songs, von denen locker die Hälfte das Zeug zu ewigen Dylan-Klassikern hat: Sie sind noch besser geworden als beim Vorgänger - berührend, episch, herzzerreißend erzählt Dylan seine Geschichten. Ein fantastisches Dylan Album, das garantiert nicht nach Modernen Zeiten klingt. -- Hanno Güntsch
Kundenrezensionen zu 'Modern Times'
Modern Times machte mich zum Fan! (20. April 2008)
Ich muß zunächst gestehen, daß ich jahrzehntelang mit Bob Dylan überhaupt nichts anfangen konnte. Für mich war er ein 60s Relikt, mit einer Gitarre unterm Arm und einer Mundharmonika in der Hand, der "Blowing In the Wind" dahin "näselt". Als ich nach Jahren wieder einmal eine Dylan CD im Laden in die Hand nahm, war es diese: Die "Modern Times"! Hätte seine neue CD anders geheißen, hätte ich sie vermutlich erneut ignoriert wie all ihre Vorgänger. Ich setzte die Kopfhörer auf und lauschte den Songs. Lied Nr.1 "Thunder On The Mountain"! Was für ein gewaltig rockender & toller Song, brilliant instrumentalisiert, perfekt produziert und von Dylans einstigem "nasalen Gesang" war nichts mehr zu hören. Das Album rockt unglaublich, ist aber auch gefüllt mit unglaublich schönen melancholischen Balladen. Dieses Werk ist einfach nur faszinierend. Ich griff gleich zu dessen Vorgänger seiner "Love & Theft" Platte und stellte total überrascht fest, daß diese ebenso wunderbar rockig und gefühlvoll ist wie die "Modern Times" und kaufte sie gleich mit. Mir erscheinen diese beiden Werke (obwohl einige Jahre Pause dazwischen liegen) wie ein Volume 1 & 2 zu sein. Man kann nicht nur eine besitzen und hören, es müssen beide im Wechsel in Ihrem Player landen. Wenn es Ihnen ähnlich ergehen sollte, dann kaufen sie sich doch gleich noch die Scheibe, die Dylan davor fertigstellte, nämlich die "Time Out Of Mind". Ebenfalls ein außergewöhnlich gutes Rock Album, daß zwar einen Hauch düsterer und trauriger ist wie die beiden letzten, aber genauso faszinierende Songs beinhaltet. Ein neuer, ganz anderer Dylan. Ich sah ihn anschließend auf der 2007er Tour, wo er sehr viel Material seiner letzten Veröffentlichungen live spielte und war außerordentlich begeistert von diesem großartigen Mann!Moderne Zeiten (24. Februar 2008)
Da hatte ich aufgrund des Ttels das schlimmste befürchtet.Beats und Computer.
Doch schon der erste Klang überzeugt. Handgemachte Musik. Blues Country und Folkrock vom feinsten.
Die Songs vermitteln Weite und Ruhe.
Vielleicht das beste Album, was der Meister seit Jahren geschaffen hat.
Again and again... (26. Januar 2008)
Dieses Doppel-Vinyl-Album ist eine meiner Lieblingsplatten. Dylan in Höchstform. Jeder Song ein Treffer. Auflegen und genießen...! Again and again...Das Vinyl klingt (auf meiner Anlage - anders offenbar als beim Vor-Rezensenten) auch absolut klasse, finde ich. Und zu dieser im besten Sinne "old fashioned music" passt einfach keine CD.
Eine für die 10 Platten auf einer Insel!
Gut produziertes Album,aber.. (24. November 2007)
wenn man das Gesamtwerk des Künstlers betrachtet, ist dieses Album gut aber nicht herausragend. Sehr viel wurde kopiert und neu arrangiert, der Hillbilly Swing vom Vorgängeralbum ist hier auch wieder präsent, aber die reinen Folk- und Bluegrasstracks wirken sehr viel überzeugender und authentischer.Wer Bob Dylans "Alterswerk" mag, wird von diesem Werk nicht enttäuscht sein, seine grosse Zeit, als er die Pop- Musik revolutionierte, ist jedoch schon lange vorbei.
Dennoch spielt der Meister hier ganz entspannt auf, seine Stimme ist nicht so enervierend wie auf "Love and Theft", es sind sogar ein paar Partytracks vorhanden.
Angenehm ist, dass es sich um ein zeitloses Werk handelt, welches man auch noch nach Jahren hören kann.
Moderne Zeiten? Keineswegs. (22. August 2007)
Die beeindruckende Rückkehr Dylans in die Höhen der Liedkunst Anfang der Neunziger, die in seinem Meisterwerk TIME OUT OF MIND (1997) kulminierte, schreitet fort. Aber um es gleich vorweg zu sagen: an diese Klasse reicht das neueste Werk leider nicht ganz heran. War Time out of mind noch ein klassisches, schweres Alterswerk, so überraschte uns der Meister 2001 zunächst mit LOVE AND THEFT, einer lockeren Hommage an den amerikanischen Folk, die mal bluesig, mal beswingt, mal countryesk daher kam und aufgrund einer sehr guten spielfreudigen Band und der neuen stimmlichen und textlichen Entspanntheit Zimmermanns überzeugen konnte.Nun also MODERN TIMES. Aber Moderne Zeiten? Keine Spur - stattdessen eine logische, noch befreitere, reduzierte Fortsetzung von Liebe & Diebstahl. Spielte die Band zuvor mitunter auch mal dreckig und mit Druck, so üben sich die Musiker der Modernen Zeiten durchweg in Zurückhaltung. Melodien? Kaum. Soli? Gelegentlich. Ausbrüche? Fehlanzeige. Stattdessen ein sehr zurückgenommener, beinahe ausdrucksloser Klangteppich, zumeist bluesig, bisweilen schnell, gelegentlich langsamer, ab und an beswingt, aber immer dezent, nie zu dick aufgetragen oder gar pathetisch.
Man mag dies langweilig finden, beiseite legen, irgendeine andere der vielen Dylanplatten anhören und sich darüber beklagen, wie alt und zufrieden er doch geworden sei oder sich einlassen auf eine kleine Reise in den Kosmos eines der eigenwilligsten Musiker der letzten vierzig Jahre. Denn das reduzierte Arrangement, die nie so befreit, geschmeidig und doch vom Alter gezeichnete Stimme, das epische Ausmaß der Platte (beinahe 70 Minuten bei zehn Songs) und vor allem die geballte Masse an Worten, die uns hier geboten werden welche bei Dylan wie so oft auch ohne die Musik funktionieren haben durchaus ihren Reiz.
Und mindestens zwei Klassiker lassen sich jetzt schon auf dem Album ausmachen: Der sozialkritische Workingmans Blues #2, in dem u.a. singt: There's an evenin' haze settlin' over town / Starlight by the edge of the creek / The buyin' power of the proletariat's gone down / Money's gettin' shallow and weak / Well, the place I love best is a sweet memory / It's a new path that we trod / They say low wages are a reality / If we want to compete abroad / My cruel weapons have been put on the shelf / Come sit down on my knee / You are dearer to me than myself / As you yourself can see / While I'm listening to the steel rails hum / Got both eyes tight shut / Just sitting here trying to keep the hunger from / Creeping it's way into my gut sowie das beinahe zehnminütige düster-apokalyptische Aint talkin: They say prayer has the power to heal / So pray from the mother / In the human heart an evil spirit can dwell / I am a-tryin' to love my neighbour and do good unto others / But oh, mother, things ain't going well / Ain't talkin', just walkin' / I'll burn that bridge before you can cross / Heart burnin', still yearnin' /There'll be no mercy for you once you've lost
MODERN TIMES wird letztlich im Gesamtwerk keine allzu große Beachtung erfahren, denn es ist beileibe kein Meisterwerk, und sicherlich auch nicht das letzte Werk von His Bobness, aber ein sympathisches, unaufdringliches und zeitloses Alterswerk mit dem Bob Dylan wieder einmal die Gegenwart der Vergangenheit aufleben lässt.






