Aus der Amazon.de-Redaktion
Ein Label, das lange keines mehr war, feiert mit der makellosen Kompilation Stax 50th Anniversary Celebration seinen fünfzigsten Geburtstag. Es ist eine aufregende Geschichte mit unglaublichen Höhen und fürchterlichen Tiefen, die eines der wichtigsten und einflussreichsten Labels aller Zeiten zu erzählen hat. Alles begann 1959 in dem Armenviertel Soulsville U.S.A. in Memphis / Tennessee, als der weiße Banker und Country-Geiger Jim Stewart zusammen mit seiner Schwester Estelle Axton Songs von Hillibilly-Bands in einer Garage aufnahmen. Sie zogen in das alte Capitol-Kino um und arbeiteten in Zeiten der Rassentrennung vermehrt mit schwarzen Musikern. Bis zum Konkurs 1976 sollten in der Straße East McLemore Künstler wie Sam & Dave, Otis Redding, die Hausband Booker T. & The MGs, Eddie Floyd , Rufus Thomas Hits aufnehmen, deren oft schmutziger, erdiger Soul wie ein Gegenentwurf zum sauberen Sound von Motown wirkte. Hier sollte Isaac Hayes epochale Alben wie Shaft oder Hot Buttered Soul der Welt schenken. Der Einfluss von Stax reichte bis zu den Rolling Stones und ist heute noch im HipHop spürbar. Nachdem in Soulsville das abgerissene Kino wieder originaltreu aufgebaut wurde, ein Stax-Museum wie eine Musik Akademie eröffnet wurden, macht sich wieder Hoffnung breit im Viertel. Weiteren Anschub könnte das Aufleben des Labels im Frühjahr 2007 bringen, dass neben der Rückkehr von Isaac Hayes die hoffentlich erfolgreiche Reanimation schon mal mit Stax 50th Anniversary Celebration eingeleitet hat. 50 Songs, 50 Hits und jeder der Beteiligten wie die mar-Keys, William bell, Staple Singers, und all die schon erwähnten Größen sind es würdig, Teil der Party zu sein. Und wer nach diesen R&B-Rausch noch mehr Stoff braucht, sollte sich die beiden Boxen The Complete Stax-Volt Singles 1959 – 1968 sowie The Complete Stax-Volt Singles 1968 - 1971 holen und staunen, was für einen unglaublich hochwertigen Output dieses Label hatte.--Sven Niechziol
Kundenrezensionen zu 'Stax 50: A 50th Anniversary Celebration'
Eine Legende feiert Geburtstag - Das Stax-Label wird 50 (1. Oktober 2007)
Drei große Plattenlabels haben die Geschichte des afroamerikanischen Rhythm&Blues geschrieben, Motown Records in Detroit, Atlantic Records in New York und Stax Records in Memphis. Letzteres feiert seine fast unglaubliche Geschichte der großen Erfolge und bitteren Niederlagen mit einer Neuauflage von über 25 The Very Best Of"-Alben und Wiederveröffentlichungen von bahnbrechenden Originalen seiner größten Stars. Davon hatte Stax reichlich zu bieten, wie die ausgezeichnete Compilation-CD ,Stax 50th Aniversary Celebration' mit ihren 50 Soul-Hits von über 30 Künstlern eindrucksvoll belegt, die gerade ihren Siegeszug durch die amerikanischen R&B-Charts antritt. Angefangen hatte alles 1957 mit einem weißen, mäßig talentierten Country-Violine-Spieler Jim Steward und seiner Schwester Estelle Axton, daher auch der Labelname Stax. Die beiden eröffneten ein Musikstudio in einem alten Filmtheater, dem Capitol in der 926 East McLemore Avenue in Memphis. Was zuerst als Rockabilly, Pop und Country Label konzipiert war, wurde 1960 mit der Veröffentlichung von Rufus und Carla Thomas ,Cause I Love You' langsam aber sicher zu einem der führenden schwarzen Musik-Label in den USA. Zum einen wurde die Nachbarschaft des Capitol immer mehr zu einem mehrheitlich schwarzen Stadteil, da gab es den Plattenladen im Gebäude des Studios, der sich rasch zum Kommunikationszentrum zwischen Produzenten und Verbraucher entwickelte und da gab es von Anfang an Chips Moman von den Mar-Keys, der nicht nur die rechte Hand von Firmengründer Jim Steward war, sondern auch die in-house Horn-Sektion anführte. Ein weiterer Umstand war die spezielle Architektur des Hauses, Steward ließ den alten, nach vorne abfallenden Boden, die Decke und all die geschwungenen Wände bestehen und baute seine Aufnahmestudios mit minimalem Aufwand in das alte Theater. Das gab allen Aufnahmen ein unglaubliches Live-Feeling, da der von Anfang an vor Energie nur so strotzende Sound sich nie in rechten Winkeln selbst überspielte. So waren es der Pianist und Organist Booker T und seine MGs, sowie der junge Isaac Hayes und die Mar-Keys, später dann bekannt als die Memphis Horns, die den Stax-Sound kreierten, ähnlich wie ihre Brüder, die Funk-Brothers bei Motown. Das besondere bei Stax war das Nebeneinander von weisen und schwarzen Musikern und die Vermischung der Musikstile. Rock und Country, ja Pop fand seinen Weg in den R&B, Soul und Funk des jungen aufstrebenden Labels. Gegenüber Motown war Stax der härtere, der authentischere schwarze Gettho-Sound, der die Gleichberechtigungsbewegung von Martin Luther King begleiten sollte. Die Horn-Sektionen spielten oft auch die Rolle der Backgroundsänger, den Gitarren, Keyboards und Saxophonen gab man Raum zur freien Improvisation. Auch wurde bis 1968 auf Streichinstrumente verzichtet, der Sänger stand eher im Mittelpunkt als vor den Musikern und ein starker Gospeleinfluss mit dem nebeneinander von Piano und Orgel war stets präsent. Das besondere war aber der Soul-Vortrag aller Künstler, die sich buchstäblich die Seele aus der Lunge sangen und ihre Stimmen wie Musikinstrumente einsetzten. Oft ließ man auch musikalische Fehler einfach in der Aufnahme, wenn der Rest gefiel, mischen war meistens Chefsache, Stewart schob die Regler rauf und runter, je nach Gusto. Overdubbing war in den ersten Jahren bei Stax regelrecht verpönt. So waren es Carla Thomas und ihr Vater Rufus, William Bell, Otis Redding, Sam & Dave, Eddie Floyd, The Bar-Kays, Albert King, Johnnie Taylor and Booker T and the MGs, die den eindrucksvollen Künstler-Kader bildeten, viele Hits wurden vom Team Isaac Hayes und David Porter geschrieben und arrangiert.Dann kam das Jahr 1968 und bei Stax veränderte sich alles. Superstar Otis Redding und 2/3 der Bar-Kays waren zu Jahresanfang in einem Flugzeug verunglückt, Martin Luther King wurde erschossen und der bisherige schwarze Marketingchef Al Bell kaufte Estelle Axton aus und wurde zum 50% Partner von Stewart. Bell stellte das Label auf den Kopf, wollte weg vom Mama-und-Papa-Baumwolle-Südstaaten-Flair" Label und hin zu einem nationalen R&B-Label, das sein Publikum deutlich vergrößern und seine geographische Verbreitung ausweiten wollte. Er kaufte Musiker und Produzenten aus Detroit und New York, führte Overdubbing und den großen orchestralen Sound ein. Die Gospel-Gruppe Staple Singers wurden Soul-Stars, Johnnie Taylor und die Dramatics wurden Botschafter dieses neuen Sounds und einer saß in den Startlöchern, der Stax den größten Erfolg seiner Geschichte bringen sollte, Isaac Hayes. ,Hot Buttered Soul', Hayes erstes großes Solo-Album sollte den R&B von Grund auf verändern, der neue Black Moses" wollte sich nicht mehr auf nur 2 Minuten 30 Sekunden ausdrücken, sondern nahm mit Glen Campbell's By The Time I Get To Phoenix" einen 18 Minuten Song auf - Ich habe sie auseinander gezogen und gemolken, bis ich alles draußen hatte" sagt Hayes heute. Er mischte Rock, Soul, Pop, Jazz, Funk und Klassik, Hayes rappte minutenlang in seinen Songs, bevor man überhaupt von Rap gehört hatte und die LP wurde in vier Charts, Jazz, Pop, R&B und Easy Listening, ein riesen Erfolg. The Isaac Hayes Movement" und To Be Continued" folgten dem Erstlingswerk auf der Erfolgsschiene, 1972 wurde der schwarze Magier im goldenen Kettenhemd und Fellstiefeln auf einen Schlag weltberühmt, sein Soundtrack zum Film Shaft" ist ein Klassiker des Genres. The Emotions, Jean Knight, Little Milton, Frederick Knight, Mel & Tim oder Shirley Brown hatten Mühe sich als neue Künstler des Labels neben den alles überstrahlenden Hayes zu positionieren. Dann kam der Bruch zwischen dem auf Expansion und nationalem Erfolg setzenden Al Bell und dem Firmengründer Jim Stewart, der zurück wollte zu seinem kleinen Südstaaten"-Familienbetrieb. 1975 musste Stax Konkurs anmelden, eines der einflussreichsten Musikzentren des R&B machte seine Tore zu, Musik, die bis heute von den Rolling Stones, bis ZZ Top über Salt-N-Pepa bis zu Will Smith gecovered wurde, war plötzlich ohne Heimat. Heute haben Concord Records das Label reaktiviert und auch neue Künstler verpflichtet. Angie Stone wird hier im Oktober ihr neues Album veröffentlichen und der große Isaac Hayes will zurückkommen und wieder ins Studio gehen. The little label that could" wird also nicht sterben, sondern die Erinnerung an größte Momente des R&B wach halten und hoffentlich neue hinzufügen.






