Aus der Amazon.de-Redaktion
Die Götter des Noise Rock sind von ihrem Olymp herabgestiegen, um ihren Untertanen mit einem tonnenschweren Soundbrocken den Tag zu verderben - was ihnen auch beeindruckend gründlich gelingt.Neurosis sind und bleiben ein Fall für sich. Entweder man steht völlig verwirrt vor einer undurchdringlichen Klangwand - oder man liebt die Kalifornier heiß und innig. Auf Given To The Rising wuchert die Band nicht ganz so extrem wie in der Vergangenheit mit zähen Lavasounds und monotoner Melancholie, massentauglich oder lebensbejahend sind die zehn Songs deshalb aber noch lange nicht. An die Stelle der bedingungslosen Härte treten progressive Psychedelic-Rock-Tripps mit leichtem Hawkwind-Einschlag, und auch die facettenreichen, morbiden Soundscapes brauchen mehrere Durchläufe, bis man sie zumindest ansatzweise erfasst hat. Purer Krach findet sich auf dieser von Steve Albini produzierten Scheibe allerdings nirgends - Neurosis wissen stets, was sie tun, und Given To The Rising dürfte junge Bands wie Isis und Mastodon genauso nachhaltig beeindrucken wie die älteren Werke der Szene-Innovatoren.
-- Michael Rensen
Kundenrezensionen zu 'Given to the Rising'
Warum gerade... (9. Februar 2008)
...Given To The Rising die (für mich) beste Neurosis Scheibe geworden ist, ist schwer zu sagen. Vielleicht weil es eine ihrer härtesten, wuchtigsten Platten geworden ist, die aber zum richtigen Zeitpunkt, wenn mans eigentlich kaum erwartet, mit den wunderschön-depressivsten Melodien glänzt dass man vor Freude einfach nur noch heulen möchte!Ja sicher, das kann man von den restlichen Neurosis Veröffentlichungen auch behaupten, aber in diesem Fall stimmt wirklich alles bis ins noch so kleinste Detail! Der alles überragende Titelsong, "To The Wind", "Water Is Not Enough" und "Origin" sind das beste was je eine (Metal-?)Band auf die Reihe gekriegt hat!
Vor allem die Kunst ständig etwas Neues zu erschaffen, kann man den Jungs in einer Zeit in der sich jede beliebige Sonstewas-Metal-Schwachmaten-Kapelle nur auf ihre alten Hit-Scheiben konzentriert, gar nicht hoch genug anrechnen.
Schön das jedes Neurosis-Album irgendwie anders klingt und doch so vertraut.
Nach den anfänglichen Schwierigkeiten die mir das Album anfangs bereitet hat, liebe ich es nun umso mehr
Mein Tipp: KAUFEN und andere Dimensionen erleben!
Wow, ein echtes Erlebnis (1. Dezember 2007)
Diese CD ist mein erster Kontakt zu Neurosis und ich habe den Kauf auf keinem Fall bereut. Es ist schwierig diese Musik zu kategorisieren. Am ehesten kann man Neurosis dem Doom Metal zuordnen, aber auch Post Rock-Elemente lassen sich bei näherer Betrachtung ausmachen. Es erwarten den Zuhörer also ziemlich fette Dampfwalzen-Riffs, doch auch ruhige Momente ziehen den Hörer zunehmend in einen Abwärtsstrudel, dem man sich nur schwer widersetzen kann - dazu noch der ziemlich kranke Gesang, bei dem die Stimme arg strapaziert wird. Häufig beschwören die monotonen Gitarrenkonstrukte und das einfache aber effektive Drumming eine gerazu hypnotische Stimmung herauf. "Given to the Rising" wird wohl auch dem letzten Optimisten den Tag gehörig verderben. Diese vertonte Depression wird schließlich noch in eine raue und authentische Produktion gebettet. Übrigens, wer sich nach dieser Beschreibung immer noch nichts unter Neurosis vorstellen kann, sollte sich von deren offizieller Homepage den kostenlosen Song "Water is not Enough" runterladen. Für mich also echt ein Highlight in dem ausklingenden Jahr 2007, welches mich auf die älteren Alben dieser Band aufmerksam gemacht hat. Wer also Doom Metal mit pschedelischen Elementen mag und Neurosis noch nicht kennt, sollte es mir gleich tun: Kaufen!Wahnsinn.... (16. Oktober 2007)
Die Vorreiter für Bands wie ISIS, Red Sparrows und Konsorten haben wieder zugeschlagen. Ihr neues Machtwerk zeigt deutlich, dass Neurosis sich immer noch weiter entwickeln aber dabei die Pfade ihrer Ursprünglichen Musik nicht verlassen werden. "Given to the Rising" benötigt wie alle Neurosis Platten mehrere Durchläufe und selbst danach kann man die Musik nur schwer beschreiben. Brachiale Gitarren und fast schon Droneartiger Sound lassen das Album härter erscheinen, als sein Vorgänger. Es schein als baue jeder Song auf den Nächsten auf um doch eigenständig als Monument zu erscheinen. Es ist ein düsteres, depressiv-aggressives Album, welchen auch mal ruhiger und leiser wird um danach gleich wieder zu explodieren. Nach 10 Songs und über 70 Min ist das Album gegessen, aber noch lange nicht verdaut. Ein Meisterwerk...Neurosis bestätigen ihren Legendenstatus (21. September 2007)
Neurosis. Eine Band, die seit ihrer Gründung 1985 viele verschiedene Stile durchlaufen ist, aber immer begeistern konnte. Vom Hardcore haben sie einen völlig eigenen Sound entwickelt, für den sich kein Begriff finden lässt, eine Mischung aus Doom Metal und atmosphärischem Sludge. Nur unzureichend sind Begriffe wie "Post-Hardcore" oder auch "Post-Metal". Im Mai 2007 ist ihr neues Werk erschienen: "Given To The Rising".Schon anhand des Covers und vor allem des tollen Booklets merkt man: Es wird wieder dunkel und mächtig. Das Vorgängeralbum "The Eye Of Every Storm" arbeitete eher mit ruhigeren Tönen, war nicht so brachial wie die alten Platten. "Given To The Rising" ist eine Mischung aus diesen alten Platten - zäh, laut und intensiv - und dem Vorgänger. Es dominieren wieder die harten Klänge, die aber immer wieder von ruhigen Passagen abgelöst werden, Verschnaufpausen. Und egal ob laut oder leise, die Musik beeindruckt immer, zieht den Hörer in ihren Bann und jagt ihm ein ums andere Mal eine Gänsehaut über den Rücken.
Der Opener und Titeltrack kann mit einem tollen Thema beeindrucken, der Song insgesamt ist sehr vielseitig und abwechslungsreich, hier ziehen Neurosis alle Register ihres Könnens. Das folgende "Fear And Sickness" beginnt ruhig, hypnotisch. Die Lautstärke steigert sich allmählich, der Gesang setzt ein. Am Ende gibt es den schon fast obligatorischen Ausbruch, der einem wieder und wieder die erwähnte Gänsehaut über den Rücken schickt. Ruhig beginnt auch "To The Wind" - bis der Sänger einsetzt. Einfach unglaublich intensiv (das Wort muss einfach häufig verwendet werden). Der Sänger Steve von Till vermag es ausgesprochen gut, die düstere Atmosphäre der Songs mit seiner Stimme noch zu verstärken. Sie ist schwer zu beschreiben, ähnelt aber dem Growlen des Death-Metal und passt zur Musik wie "die Faust auf's Auge".
Die ersten fünf Minuten von "At The End Of The Road" sind fast still, man hört das Schlagzeug, dann erklingt die Gitarre, im Hintergrund ist von Tills Stimme zu hören. Diese 5 Minuten sind aber keineswegs langweilig oder gar überflüssig, sie sind wahnsinnig atmosphärisch. Die Lautstärke steigert sich dann auch bei diesem Song, die Gitarrenriffs stürzen über den Hörer herein und von Till "singt" einen in Grund und Boden, als würde er sich alles Leid aus den Tiefen seiner Seele schreien. "Shadow" ist ein kurzes Zwischenspiel, untermalt mit nach Industrial klingenden Samples und der flüsternden Stimme von Tills. Darauf folgen drei typische Neurosis-Songs: "Hidden Faces", "Water Is Not Enough" und "Distill (Watching The Swarm)". Sie sind alle beherrscht vom genial produzierten Gitarrensound (den man sonst nirgendwo in dieser Weise hört) und - wieder mal - von von Tills manischer Stimme, die einen in ihren Bann zieht und nicht mehr los lässt. Alle drei Songs beinhalten sowohl ruhige, hynotisierende als auch laute, ungebändigte Passagen, die live sogar noch intensiver sind. Solche Gänsehaut vermag keine andere Band einem über den Rücken zu schicken. Mit "Nine" gibt es nochmal ein Industrial-Sample, das den letzten Song einleitet, "Origin", der mit fast 12 Minuten der längste Track des Albums ist. Neun Minuten treibt er wie ein ruhig fließender Fluss dahin, bis von Till einsetzt und dieses Meisterwerk furios beendet. Der Hörer bleibt geplättet zurück.
Und in ihm reift die Erkenntnis, dass Neurosis auch nach über 20 Jahren nicht verbraucht oder gar müde wirken, sie klingen frisch wie eh und je. Verantwortlich für die Produktion war Steve Albini, dem es gelang, die tollen Livequalitäten von Neurosis (die Alben spielen sie auch live ein) auf CD zu pressen.
Fazit: Mit "Given To The Rising" schaffen es Neurosis also, ihren "Lebende Legende" - Status zu erhalten. Es verbindet die zähen aber lauten Klänge mit den ruhigeren aus dem Vorgängeralbum und ist so abwechslungsreich und unglaublich intensiv, um mit der typischen Bezeichnung für Neurosis zu schließen.
Ein zerbrochener Monolith. Verstörend-Neues von Neurosis (2. Juni 2007)
Während Isis im letzten Jahr noch auf epische Linearität gesetzt hatte, um eine virtuell anfangs- und endlose Musik zu erschaffen, setzen Neurosis in ihrem neuesten Werk auf eine radikal andere Denkweise. Beinahe möchte man vom Ende der epischen Linearität sprechen, denn so zerklüftet, gespalten, zerrissen, löchrig, stolpernd, innehaltend, zweifelnd, war die Musik von Neurosis noch nie. Wie ein zerbrochener tiefschwarzer Monolith wirkt die Platte. Ein zerbrochener Monolith, der auf ewig seine Rekonstruktion verweigert. Wie ein Flug über diese Splitter ist diese CD: jeder Spalt, jede Kluft, jeder Sprung wird registriert und versetzt die Musik in einer permanente Unruhe. Es ist eine schmutzige Musik der bizarren Klangflächen, wie man sie so schon lange nicht mehr von Neurosis gehört hatte. Oft wechselt mitten im Stück radikal die Gangart. Besonders auf TRACK 1 GIVEN TO THE RISING, der wie ein klassisches Neurosis-Stück beginngt wohlgemerkt nur wenige Sekunden, dann bricht die Musik plötzlich aus. Der Gesang wirkt wie ein gesampleter Splitter aus dem überrangenden Endstück von "The sun that never sets". Üblicherweise wäre dieses Stück wohl das Ende eines Neurosis Albums gewesen. Doch hier beginnt das neue Werk. Ein Zeichen für eine andere neue musikalische Denkweise. Der zweite Track FEAR AND SICKNESS führt eine Sonde hinab in den depressiven Klangkörper sucht nach der verlorenen Einheit und findet sie nicht mehr, denn Auflösung und Zerfall haben erbarmungslos eingesetzt. Die Gitarre kämpfen von Anfang an gegen eine industrialartige Geräuschwand. Unendlich schwer scheint es zu sein, sich wieder zu Gehör zu bringen. Auch die Lungen des Sängers von Till sind durch Steine beschwert, wenn er von seinem drohenden Ersticken singt:...in the thoughts of time we are of sand with aphasic songs ... Jede Silbe wird zur Qual, denn wer wird diesen Gesang hören ? Dann setzen die Gitarre zu einem auf der Stelle-Tretenden Gesang an. Urgestein wird gebrochen, um plötzlich abzusterben. TRACK 3 TO THE WIND bringt ein wenig Erlösung, so als würde der Wind die Asche noch einmal aufwirbeln aber kein neues Feuer mehr bringen ... like ash to the ground .... Melancholie und Trauer machen sich breit... I saw the god in death through you . . .the darkest water runs through you, singt von Till auf dem bewegendsten Track dieser CD, weil hier der zärtliche Anfang des Tracks konsequent von den mahlenden und bleiernden Gitarrenriffs überschrieben wird.Auch hier wieder ist der Track eigentümlich in sich selbst versponnen, sprengt jeder Track dieser Platte eigentlich den linearen Fortgang. Denn hier wird konsequent in Mikrostrukturen und nicht mehr in Makrostrukturen gedacht. Wie ein Gletscher schiebt sich TRACK 4 TO THE END OF THE ROAD in die Gehörgänge. The land here absorbs the light. Wieder machen uns Neurosis mit den unendlichen Abstufungen von Schwarz bekannt, der Dunkelheit, der Lichtarmut vertraut. Nur schwache Grubenlampen spenden hier noch Licht.Grandios wie Steve Albini diese Klaglandschaft aufgenommen hat: schnörkellos, rauh, bedrohlich. Beherrscht wird dieser Track von von Tills Stimme und den manischen Drums... from a wild innocent grace...TRACK 5 ist ein industrialertiges Zwischenspiel mit der flüsternden Stimme des Sängers mit industrialartigen Samples untermalt: my engine is burning to bring me to them. I'm walking to the eternal lake of light. Aus diesen Geräuschen heraus tritt plötzlich TRACK 6 HIDDEN FACES ans Licht und spinnt wenige sonnenhelle Fäden in die Riffs, so als hätte die Musik einen Augenblick lang den lake of light erreicht. TRACK 7 WATER IS NOT ENOUGH zeigt wieder einmal die unerhörte Ausdruckskraft diese Band. Man höre sich nur die einminütige Leerstelle in diesem Stück ab 3:34 an. Gitarre und Bass kündigen ihren gemeinsames Spiel auf. Die Drums halten inne. Manisch wird ein Riff wiederholt. Der Bass spielt zeitlichv ersetzt seine nächtlichen Sounds. Dann kehrt das Zusammenspiel zurück und zeigt wie unverbraucht diese Band nach beinahe 20 Jahren noch ist. Dann beginnt das furiose Anti-Finale: die TRACKS 8 bis 10 müssen dringend als Einheit gehört werden. So wird das Finale beinahe 25 Minuten lang, Durchbrochen nur durch ein weiteres Intermezzo... hebt mit TRACK 10 der Rückgang in den Ursprung ein (der Track heißt ORIGIN) und weist erneut darauf hin, das der Weg dieser Platte rückwärts geht, vom Fluss zur Quelle. Das Versiegen ist also das eigentliche Thema dieser PLatte und nicht das unendliche Fliessen wie bei ISIS. Also greift jeder Versuch Neurosis mit Isis zu vergleiche fehl. Nameless lights pull me into a psychic black hole lauter der letzte Satz dieser überragenden CD.FAZIT: Eine alles überragende Platte. Wieder einmal haben Neurosis nach dem etwas introspektiven letzten Album sich neu erfunden. Die Verbindung von Industrial und offenen Metaltexturen und bleischweren Riffs und atemlosen Leerstellen zeigt, dass das letzte Kapitel dieser Band noch lange nicht geschrieben ist. Das Album ist ein Aufbruch zu neuen Ufern und man darf wohl gespannt sein, wie das nächste Album diesen Weg fortsetzt. 5 Sterne






