Stern
Es muss schrecklich anstrengend sein, als Marilyn Manson zu leben: morgens eine rituelle Schweineschlachtung, dann frisches, warmes Tierblut auf nüchternen Magen trinken, dann den ganzen Vormittag in Exkrementen wühlen, dann zum Mittags-Massaker einem Weberknecht die Beine ausreißen, dann Selbstverstümmelung und Eigenbluttherapie, bevor abends das traditionelle Frauenschänden und Kreuzeverbrennen auf dem Programm steht. Seufz! Echt aufreibend, so ein Image als Grusel-Rocker! Wann findet der Mann noch Zeit, so gute Musik zu schreiben? "Eat Me, Drink Me" ist - natürlich! - ganz furchtbar schwarz und böse und albtraumhaft und verzerrt, aber bei genauerem Hinhören offenbaren sich gleich mehrere richtig gute, eingängige Melodien mit Verweisen auf Mainstream- Helden von David Bowie bis Depeche Mode. Also, bitte keine Angst vorm schwarzen Mann! Der tut nichts, der will nur spielen. Der ist tief im Inneren ein ganz Lieber. Er kann es halt nur nicht so zeigen.--Tobias Schmitz
Kundenrezensionen zu 'Eat Me,Drink Me'
Wann wirds mal wieder richtig Manson? (31. Oktober 2008)
EAT ME, DRINK ME ist in erster Linie langsamer und reifer als seine Vorgänger, was kein Vorteil sein muss. Leider bußt es dadurch einen großen Teil des düsteren Manson-Charmes ein. Die Songs sind allgemein wieder hörbarer, was dem ganzen Album, auch durch die vielen ungewohnten Gitarrensolos, einen etwas langweiligen Beigeschmack verleiht. Dass es hier nicht auf Provokation, sondern auf die Verarbeitung von Erlebnissen und Gefühlen ankam, merkt man sehr schnell.Das Album startet diesmal nicht mit einem Intro, sondern mit dem Song IF I WAS YOUR VAMPIRE, der mich ein Stück weit an THE FALL OF ADAM aus seinem Album HOLY WOOD erinnert. Gewohnt düster, genial Manson. PUTTING HOLES IN HAPPINESS wie auch JUST A CAR CRASH AWAY und einige weitere Songs sind zum Teil sehr gitarrenlastig und erinnert an eine Mischung aus Songs wie VALENTIN'S DAY (HOLY WOOD) und Metallica. Manchmal sehr gelungen, aber oftmals einfach zu kommerziell.
Songs wie THE RED CARPET GRAVE oder THEY SAID THAT HELL'S NOT HOT brettert und bedient die Erwartungen an das neue Album, drohen aber ebenfalls schnell langweilig zu werden. Es fehlen die verstörenden und düsteren Elemente, die man von den Vorgängeralben kennt. Meine Highlights sind MUTLATION IS THE MOST SINCERE FORM OF FLATTERY, YOU AND ME AND THE DEVIL MAKES 3, EAT ME, DRINK ME und natürlich HEART-SHAPED GLASSES.
Derjenige, der Manson durch Alben wie THE GOLDEN AGE OF GROTESQUE und HOLY WOOD kennt, wird in EAT ME, DRINK ME bei weitem nicht das lang ersehnte neue Lieblingsalbum finden und auch ich hoffe, dass dieses Album nur eine Phase, ein Experiment, war und es bald wieder ein Album mit echter Manson-Musik gibt.
Die Kuschelrock-Weihnachts-CD............ (24. Oktober 2008)
........... von Mister Manson.Am schlimmsten fand ich "Heart-Shaped Glasses (When The Heart Guides The Hand)(inhuman remix)". Ich weiß ja nicht, ob MM unsere Band Scooter kennt, aber was er da abliefert ist wirklich "Hyper! Hyper!"
Schade. Habe gleich nach dem ersten Durchhören zum Neutralisieren "The Golden Age of Grotesque" in den CD-Player geschoben.Eat Me,Drink Me
Manson hat noch was zu sagen (6. Juni 2008)
Vier Jahre sind vergangen, seit Marilyn Manson mit The Golden Age of Grotesque sein letztes Studioalbum abgeliefert hat. Vier Jahre, in denen er sich umorientierte, seinen Horizont erweitern und das Gesamtkunstwerk Marilyn Manson vorantreiben wollte. Vier Jahre Malerei, Film, Herstellung von Absinth, Ehe, keine Musik. Ich dachte eigentlich nicht, dass da nochmal was kommt. Ich dachte, er hätte mit seiner Vergangenheit als Schockrocker abgeschlossen.Nun, er hat mich eines Besseren belehrt, zumindest teilweise. Denn vom Schockrocker, dem einstigen Sündenbock der Nation, dem Antichrist Superstar ist in der Tat nicht viel übrig geblieben. Doch das musikalische Schaffen wird entgegen meiner Erwartung fortgeführt und mit Eat Me, Drink Me steht 2007 das sechste Studioalbum von Marilyn Manson im Laden. Und es ist stark, sehr viel stärker, als ich es Manson nach den ernüchternden Vorgängern noch zugetraut hätte, was damit zusammenhängt, dass Manson (wieder mal) einiges verändert hat.
Zunächst einmal hat er den Großteil seiner Crew zur Produktion dieses Albums über Bord geworfen beziehungsweise ausgeschlossen und lediglich Tim Skold an seiner Seite behalten, als Steuermann sozusagen. Potentielle Gründe dafür vermag ich nicht zu nennen, doch es scheint sich gelohnt zu haben und das Ergebnis sieht wie folgt aus: Eat Me, Drink Me ist ein solides, hartes Rockalbum, das vom Stil her streckenweise an Mechanical Animals erinnert, wobei man sich inzwischen von letzten Industrial-Elementen verabschieded hat, auch von Metal kann kaum mehr die Rede sein. Die Songs sind gut geschrieben, eingängig und abwechslungsreich, überraschen teilweise sogar. Insgesamt steht Marilyn Manson der kommerziellen Musik mit Eat Me, Drink Me so nahe wie nie zuvor, was aber der Qualität nicht im geringsten schadet. Das Aushängeschild, Heart Shaped Glasses (When The Heart Guides the Hand), entpuppt sich schon fast als waschechter Pop-Song, ist aber nicht repräsentativ für den Rest des Albums und fällt doch eher aus dem Kontext heraus, denn der Grundton ist nach wie vor recht düster, was beispielsweise der schleppende, doch mächtige Opener If I was your Vampire sowie das groovende You And Me And The Devil Makes 3 und der abschliessende Titeltrack belegen.
Zudem fällt auf, dass vor allem auch die Instrumente bei Eat Me, Drink Me neu gewichtet wurden: Über allem steht unangefochten die Gitarre, die fast ausnahmslos jeden Song dominiert und sich nicht selten sogar den Gesang Mansons Untertan zu machen scheint. Die Nummern sind doch klar auf die Gitarre ausgerichtet und kulminieren mitunter in die besten Gitarren-Soli, die Marilyn Manson je zu bieten hatte (Putting Holes in Happiness, Just a Car Crash Away). Das Keyboard dagegen spielt eigentlich keine Rolle mehr, man verzichtet streckenweise sogar ganz darauf und setzt es wenn überhaupt nur noch zur atmosphärischen Untermalung ein. Logischerweise ist das musikalische Gesamtbild auch bei weitem nicht mehr so elektronisch geprägt wie beispielsweise TGAoG. Auch die Drums und der Bass werden größenteils nur noch begleitend eingesetzt und setzen selber wenige Akzente. Tragendes Element ist natürlich – wie könnte es anders sein? - weiterhin die Stimme Mansons, die er sehr gelungen einsetzt. Die Lyrics (meiner Meinung nach die größte Konstante bei Marilyn Manson) sind wie immer gut geschrieben und überzeugen durch die üblichen, cleveren Wortspielereien. Dazu kommt, dass Manson an seinem Gesang, seiner Stimme gearbeitet hat und man inzwischen bei manchen Songs (z.B. Just a Car Crash Away) auch tatsächlich von Gesang sprechen kann.
Allgemein gebärdet sich Brian Warner auch nicht mehr als der Schreihals, den man noch auf „Holy Wood“ fürchten sollte. Die Gangart ist insgesamt ein wenig ruhiger geworden und traditionelle Kracher (The Beautiful People, Rock Is Dead, The Fight Song, etc.) sucht der Fan früherer Alben vergeblich. Man kämpft nicht mehr mit Hass, Aggression und Wut gegen die Gesellschaft an (das ein oder andere Fuck You kann sich Mr.Manson natürlich dennoch nicht verkneifen), vielmehr ist Eat Me, Drink Me ein sehr persönliches Album. Es geht mehr um Manson selbst als um die Anderen, was zum Teil auch mit seiner zu verarbeitenden Trennung von Ehefrau Dita von Teese sowie einer voranschreitenden Reife seiner selbst zu tun haben dürfte und dem Ganzen eine Authentizität verleiht, die spätestens seit Holy Wood abhanden gekommen war. Eat Me, Drink Me verdeutlicht, dass Brian Warner ein Stück weit erwachsen geworden ist, sich weiterentwickelt, und ein gewisses Maß an Distanz dazugewonnen hat. Eine Ausnahme stellt hier lediglich das (auch musikalisch) etwas plumpe Mutilation Is The Most Sincere Form Of Flattery dar, durch welches Manson seine Abneigung gegen etwaige Nachahmer und Möchtegern-Gruselrocker ausdrücken will und nochmals seinen Status als Nummer Eins auf diesem Gebiet unterstreicht. Zusammen mit Evidence stellt aber die besagte Fuck You-Predigt tatsächlich die einzigen Ausnahmen eines ansonsten wirklich durch und durch gelungenen, streckenweise schon fast konventionellen Rock-Albums dar, dessen Höhepunkt schwer auszumachen ist, zumal sich die einzelnen Songs so sehr voneinander unterscheiden. Überzeugende Hörproben, um nur ein paar zu nennen, wären aber sicherlich Putting Holes In Happiness, Heart Shaped Glasses, Are You The Rabbit? (eine Anlehnung an Alice im Wunderland) sowie You And Me And The Devil Makes 3.
Zusammenfassend bleibt nur nochmal zu sagen, dass mich Eat Me, Drink Me wirklich positiv überrascht hat, auch weil es wieder eine andere Richtung einschlägt. Natürlich haben sich bisher alle Manson-Alben voneinander unterschieden, aber der Grad der Andersartigkeit ist doch bei Eat Me, Drink Me am höchsten. Dies führt natürlich auch zu dem, was ich bereits angedeutet habe: Manche Fans früherer Alben werden dieses Werk eventuell ablehnen. Auf der anderen Seite hat dieses Album aber auch das Potential, eine Menge Hörer zu überzeugen, die bisher nichts mit Manson anfangen konnten, und somit neue Fans zu gewinnen. Eat Me, Drink Me ist ein gutes, ein sehr gutes Album, das ich wohl nur aufgrund meines persönlichem Geschmacks hinter Antichrist Superstar einordnen würde, weil ich eben doch die rohe Durchschlagskraft vermisse, die mich an Manson seit jeher am meisten begeistert hat.
Ich denke trotzdem, dass man mit dem Kauf dieser CD (eben auch, wenn man kein eingefleischter Fan ist), nicht viel falsch machen kann. Man muss sich nur darauf einlassen.
Eyeliner und Chucks sind in greifbarer Nähe... (31. März 2008)
Bereits beim Refrain des ersten Tracks zog sich mir alles zusammen: Ich weiss, dass "Eat Me, Drink Me" das wahrscheinlich pesönlichste Album Mansons ist, da er hier seine Scheidung von Dita von Teese verarbeitet und gleichzeitig seiner neuen Flamme musikalisch den Hof macht. Das ist durchaus legitim, aber hätten für diesen Zweck nicht zwei oder drei einzelne Songs gereicht? Musste daraus wirklich ein vor Weltschmerz triefendes Konzeptalbum werden, auf dem Manson in einer leiernden Tonlage nölt und jammert, die klingt, als hätte er sich nach einer durchzechten Nacht hinters Mikrophon gesetzt?"Eat Me, Drink Me" klingt musikalisch wie ein düsterer Nachhänger von "Mechanical Animals"; die aggressive Kante von "Antichrist Superstar" fehlt ebenso, wie der dreckige Rocksound von "Holy Wood": Die Lieder sind schleppend und baßlastig; Melodien kommen fast ausschliesslich durch Gitarrensoli, auch Mansons Gesang war schon vielseitiger: Ich habe die Platte viermal hintereinander gehört, und trotzdem blieb nur das grandiose "Putting Holes in Happiness" hängen - und auch dieser Song ist nichts besonderes, sondern eben nur eine typische Manson-Ballade.
Der Rest der CD ist ein kraftlos-monotoner Klangteppich, dessen einzelne Songs wie Lava ineinander übergehen: Das ist als Hintergrundmusik zeitweise erträglich und die poetischen Texte reissen einiges raus (ich akzeptiere den Track "Mutilation" als Ausrutscher, da es der Künstler hier für angebracht hält, zwanzig Mal hintereinander "F*ck You" zu schreien); aber auch das kann nicht übertünchen, dass "Eat Me, Drink Me", ein uninspirierter, weinerlicher Seelenstriptease geworden ist. Ich habe Marilyn Manson immer als einen reifen und vielseitigen Musiker geschätzt und dass er hier 60 Minuten lang in Selbstmitleid badet und ein Lebensgefühl zelebriert, aus dem ich bereits seit Jahren herausgewachsen bin, ist für mich, um es sehr freundlich zu formulieren, ernüchternd.
Eat me, Drink me (24. Februar 2008)
Ich habe mir aufgrund der negativen Rezensionen das Album recht spät gekauft, war ich doch vom Vorgängeralbum ein wenig enttäuscht. Ein Fehler, denn ich finde "Eat me, Drink me" sehr gut. Es hat nicht die Power der früheren CDs, aber dafür sind die Melodien eingängiger.Die Gitarrensolos zwischendrin finde ich ziemlich enttäuschend. Wo ist das Gitarrensolo von der Qualität von dem in "Great Big White World"? Und was ist mit den Texten passiert? "Don't break my heart and I won't break your heart-shaped glasses"??? Was soll das denn? Und über die zusätzlich enthaltene Discotaugliche Version dieses Liedes (Track 12) decken wir lieber den Mantel des Schweigens.
Meine Lieblingstracks und Anspieltipps sind
- They Said That Hell's Not Hot
- Just A Car Crash Away
- Evidence





