Aus der Amazon.de-Redaktion
Schwere, überall Schwere. Okkervil River benannten sich nach einem russischen Fluss, der einer Geschichte der Tolstoi-Urgroßnichte Tatjana Tolstaja den Namen verlieh. Plattencover, Texte, Musik waren immer melancholisch, fast finster bei der 1998 gegründeten Band aus Austin. Auf einmal ist vieles, wenn auch nicht alles anders, denn auf The Stage Names lassen die Texaner die Sonne rein, um den ganzen Verlierern dieser modernen Welt etwas Hoffnung zu geben. Ein bisschen Soul, Country-Folk und Alternative-Rock verschmelzen zu einem lindernden Pflaster, unter dem es weithin angenehm schmerzt. Doch es bildet sich vermehrt Schorf auf den einst so offenen Wunden, denen Okkervil River in der Vergangenheit mit blutverdünnend wirkender Kammermusik, Violinen und wimmernden Banjo kaum Heilchancen gaben. Warum The Stage Names sämtlichen Vorgängern trotz etlicher melancholischer Momente ein fröhliches Gefühl und Rock entgegensetzt? Vielleicht, weil Gründungsmitglied, Songwriter und Sänger Will Sheff zusammen mit Multiinstrumentalisten die träumerischen Songs vermehrt bei Shearwater unterbringt. Vielleicht, weil Sheff im Gegensatz zu Black Sheep Boy diesmal nicht im einsamen Winter auf dem Lande sondern zwischen Ausgehabenden in New York komponierte. Das Ergebnis sind jedenfalls fast überbordende Stücke wie der famose Opener „Our Live Is Not A Movie Or Maybe“, der sich musikalisch Arcade Fire oder Broken Social Scene annähert. Gefolgt vom stampfenden „Unless It Kicks“ geht es zum nächsten Höhepunkt „A Hand To Take Hold Of The Scene“. Die Dexy’s Midnight Runners lassen schön grüßen! Nach dieser Anfangsralley geht es ausgeglichener zu, wobei „Plus Ones“ mit seinem wunderbaren Text besondere Aufmerksamkeit verdient. Der Titel kann nämlich wörtlich genommen werden: Sheff addiert zu berühmten Songs wie „96 Tears“ (? and The Mysterians), „99 Luftballons“ (wie hieß sie noch mal?), „7 Chinese Brothers“(R.E.M.), TVC 15 (David Bowie) oder „Eight Miles High“ (Byrds) eine Eins, und bildet aus den neuen Titel einen kompletten Track. Muss man auch erst mal drauf kommen. --Sven NiechziolKundenrezensionen zu 'The Stage Names'
Freude getrübt (29. November 2007)
Nach Black Sheep Boy hatte ich mich sehr auf die neue CD gefreut, die durchweg bzw. mehrheitlich positiven Rezensionen in den einschlägigen Musikzeitschriften bestärkten mich zudem in der Hoffnung, ein noch besseres Album vorzufinden als B.S.B.. Insgesamt bereue ich den Kauf auch nicht, meine Erwartungen wurden jedoch auch nicht erfüllt.Während die ersten Lieder der CD sowohl strukturell als auch emotional an die alten Qualitäten anknüpfen und zudem textlich bestechen, ist aus meiner Sicht gerade in der Mitte des Albums eine gewisse Ideenlosigkeit zu konstatieren. Das ist schade, da man sich nach dem guten Anfang eine dementsprechende Fortsetzung erwartet. Sowohl Gesanglich als auch textlich ist jedoch weiterhin nichts auszusetzen und wenn die Ideen wieder in komplex-ergreifende Songstrukturen verwoben werden, sehe ich dem nächsten Album mit gutem Gefühl entgegen. Kein Ausrutscher, aber ein kleiner Schritt zurück.
Eine Klasse für sich (28. November 2007)
Okkervil River sind Emotion, Text und Musik in ihrer reinsten, schönsten und unverwechselbarsten Art. Sie fesseln vom ersten bis zum letzten Ton - absolute Suchtgefahr-Sheffs Stimme die lebendige Materie von Gefühl, Sehnsucht,Melancholie der man sofort verfällt.Endlich mal wieder ein Indie - Hammer........ (16. Oktober 2007)
und das nicht etwa aus den vereinigtem Königreich - nein Texas/USA macht den Stich. Okkervil River lassen hier mit einer Selbstverständlichkeit und Stilsicherheit 9 wirlich schöne Machwerke auf die versammelte Gemeinde los die diversen (gehypten) UK Indie "Göttern" gut zu Gesicht stehen würde. Absolut bemerkenswert ist die enorme Spielfreude, das Mitsummpotenzial sowie das fehlen jedweden Hängers oder gar nerviger Momenten. Das ist das vielleicht beste was man dieser Produktion bescheinigen kann - diese in sich geschlossene Geschichte, die sich von Anfang bis Ende nicht nur trägt sondern auch den Spannunsbogen permanent wölbt um am Ende perfekt zum Anfang hin aufzulösen. Deshalb, aus meiner Sicht, ein paradoxes Unterfangen sich eventuelle "Lieblingstitel" einzeln anzufahren - der Lieblingstitel umfasst hier 9 Kapitel........High Rotation - eigentlich einer meiner "Hass-Begriffe" - ist die einzige wahre Umschreibung dieser Scheibe in meinen Abspielgerätschaften !
Und Vergleiche will ich gar nicht erst ziehen, obwohl einiges genannt wurde und Okkervil River sicher hier einmal wie **** klingen und dort an **** erinnern - gibt es das in der Summe so nur bei Okkervil River.
Und noch ein Wort zu den älteren Produktionen - nicht das Okkervil River seine Wurzeln verleugnet (wer kann das schon...) aber der Schritt den sie mit "The Stage Names" vollzogen haben ist doch so groß dass zwingend von einem neuen Niveau geprochen werden muss - und dagegen werden die Vorgängeralben langsam aber sicher verblassen. Am Rande : die Deppen vom Major Virgin/EMI habe den Europavertrieb von "The Stage Names" aus Desinteresse abgelehnt (nachdem sie 2006 den Vorgänger "Black Sheep Boy" (Definitive Edition)händelten) - das kann man wohl nur als Glücksfall für die Indiegemeinde und auch Okkervil River bezeichen - zu denen ein Major nicht passt !
Toll! Ein Toll mit Dankeschön (30. August 2007)
für ein weiteres Meisterwerk. Schon die ersten Platten waren ein Geschenk für den aufmerksamen Hörer. Tolle Melodien und sehnsuchtsvolle, intensive Stimme. Und dann die Texte! Gänsehautmomente!Bei mir läuft gerade die akustische, zweite CD der DoppelCd Variante des Albums (leider schon komplett vergriffen und nur in den usa erschienen, habe aber Glück gehabt).
Mr Sheff solo! Eigentlich noch besser als die reguläre CD.
Ich schwelge...





