Kundenrezensionen zu 'A Lullaby for the Devil'
Gutes Songwriting mit produktionstechnischen Makeln (9. Oktober 2007)
Nach dem etwas eintönigen letzten Album "A Dead word" weicht der gute Devon Graves etwas von seinem üblichen Stil ab. Schon beim ersten Track glaubt man die falsche CD eingelegt zu haben, so heftig tönt es da aus den Boxen. Auch zwei, drei weitere Tracks haben bis dahin nie gehörte Härtegrade aufzuweisen, die zwar nicht schlecht sind, doch auch absolut nicht das, was man von Dead Soul Tribe hören möchte. Aber zum Glück kratzen Devon und sein Drumkumpan Adel gerade noch die Kurve und bieten mit "Goodbye city life" und "A stairway to nowhere" zwei Songs auf, die die typischen DSD-Trademarks aufweisen und aufgrund ihrer dichten Athmosphäre sicher bald zu Klassikern werden. Dazu kommen noch das starke "Any sign at all", der Titeltrack und das Querflöten-Instrumental "A Gosssamer stand", die den Kauf der CD absolut rechtfertigen und einen normalerweise 5 Sterne zücken lassen würden. Wären da nicht noch drei Kritikpunkte, die in den bisherigen Rezensionen unverständlicherweise unerwähnt bleiben:1. Die Produktion ist äußerst dumpf gehalten, man fühlt sich an die Rumpelproduktionen der frühen 80er erinnert. Für DSD definitiv der falsche Sound!
2. Was hat den guten Moustafa geritten, die "St. Anger"-Gedächtnis-Snaredrum auszupacken? Die klingt, als ob Lars Ulrich auf leere Cola-Dosen trommeln würde (zum Glück nicht bei allen Songs).
3. Devon hat so eine einzigartige Stimme, aber wenn er die Töne wie gegen Ende der CD (leider auch bei "Stairway to nowhere") in die Länge zieht, kann es einem schon mal die Zehennägel aufrollen (wie bei den Bee Gees).
Dies alles gibt einen fetten Punktabzug, aber aufgrund der oben genannten Songs bleibts bei immerhin 4 Sternen. Also, Devon, beim nächsten Mal bitte einen externen Produzenten anheuern!
Ja, bist du gelähmt (2. September 2007)
Ich war schon seit dem überragenden "A Murder of Crows" Album ein Anhänger dieser Truppe, aber ich hätte ihnen nicht zugetraut die Qualität dieses Überwerks noch einmal zu erreichen. Schon gar nicht, nachdem der Vorgänger "The Dead Word" doch etwas geschwächelt hat. Aber Mainman Devon Graves hat sich zusammengerissen und ein Album rausgehauen, dass sich auch hinter All-Time-Klassikern der Progressive Metal Szene nicht zu verstecken braucht. Dead Soul Tribe präsentieren sich mit "A Lullaby for the Devil" um einen ganzen Zacken härter als gewohnt. Schon der wütende Opener "Psychosphere" bläst dem Hörer einmal kräftig die Rübe um, die nachfolgenden Songs gehen zumindest passagenweise in eine ähnliche Richtung. Wütend ist ein gutes Stichwort, denn Devon Graves scheint während des Songwritings auf irgendetwas/-jemanden mächtig angefressen gewesen zu sein. Auch textlich gehen einige Songs in eine eher ungewohnt agressive Richtung (Lost in you, Here Come the Pigs). Aber keine Angst, auch der Sound, den man bisher von Dead Soul Tribe gewohnt war, taucht auf diese Album auf. Vor allem das gefühlvoll-geniale "A Stairway to Nowhere" scheint eine Art Zusammenfassung des bereits angesprochenen "A Murder of Crows"-Albums zu sein: hypnotischer Gesang, schwebende Melodien in den ruhigen Passagen, unterbrochen von kräftigen Riffs. Devon Graves Stimme windet sich mal säuselnd-betörend, mal leidend, mal schreiend durch den Song. Kurzum: es gibt mächtig Gänsehautalarm. Psychotic Waltz Freunde wird es begeistern, dass Graves Querflöte wieder häufiger erklingt und zB im sechsminütigen Instrumental "The Gossamer Strand" fast permanent im Einsatz ist. "A Lullaby for the Devil" entführt den Hörer in eine unglaubliche Achterbahn der Gefühle, packt bereits bei den ersten Tönen des Openers zu und entlässt ihn erst mit dem letzten, titelgebenden Song wieder in die Realität. Bezaubernd, wunderschön, aber auch extrem düster und heavy ist es ausgefallen, die neueste Kreation des Musikgenies Devon Graves, ein Best Of der bisher besten Momente von Dead Soul Tribe mit einer großen Portion Neuorientierung. Einzigartigkeit wird aber nach wie vor groß geschrieben, denn die Band lässt sich nach wie vor mit keinem der gängigen Namen im Progressive Metal Zirkus (=Dream Theater, Fates Warning, ...) vergleichen. Wenn überhaupt eine Band zum Vergleich genannt werden muss, dann wäre das wohl Tool, denn mich persönlich hat seit deren letzten Album "10,000 Days" kein Album so sehr mitgerissen und das über die gesamte Spielzeit. Bis jetzt! Ein großartiges Album eines Mannes, der schon so lange dabei ist (das erste Psychotic Waltz Album liegt auch schon 17 Jahre zurück), aber uns noch immer jederzeit überraschen kann. Mehr kann man aber von einem Musiker auch nicht erwarten, glaube ich. Ganz groß! Pflichtkauf, die Scheibe könnte sogar für Leute interessant sein, die sonst eher einen Bogen um Progressive-Sachen machen. Gefrickelt wird nämlich woanders. Anspieltipps: Psychsphere, Here Come the Pigs, A Stairway to Nowhere und eigentlich alle anderen Tracks auch :-).DEAD SOUL TRIBE - A LULLABY FOR THE DEVIL - Düsterer und Härter (24. August 2007)
Die neue DEAD SOUL TRIBE ist da, dieses Mal hatte sich DEVON GRAVES (alles Instrumente außer Schlagzeug) aber wirklich Zeit gelassen. Während früher im Jahresrhythmus neue DST-Alben rauskamen, hat es nunmehr fast zwei Jahre gebraucht, aber die Zeit hat sich gelohnt. Denn während sich andere Bands häufig nur noch selber kopieren, hat Herr Graves seiner Band eine Radikalkur und einen neuen (und manchmal wieder alten) Sound verpasst.Der Opener PSYCHOSPHERE ist das härteste Stück, das DST jemals auf einer CD veröffentlicht haben, manchmal fühlt man sich beim Hören an SEPULTURA oder SOULFLY erinnert, so brachial wird das neue Werk eröffnet, aber dann kommen wieder diese leicht hypnotischen Songstrukturen, zwischen schweren E-Gitarren, Piano- und Akustik-Gitarren-Klängen mit der verträumten Stimme des Herren GRAVES. GOOD BYE CITY LIFE wirft den Hörer in ein wahres Wechselbad der Gefühle, wie es manche Großstadt mit ihren schönen und manchmal auch weniger schönen Seiten tun kann. Und zwischendurch kommt sogar wieder die Querflöte zum Einsatz, auf die man seit einigen CDs so gut wie verzichten musste.
Nein, A LULLABY FOR THE DEVIL ist keine leichte Kost, sondern im besten Sinne progressiv bis an die Schmerzgrenze, hier werden die Songstrukturen fein säuberlich aufgelöst und die losen Fäden dann wieder verknüpft, bis dem Hörer schwindlig wird. Alleine in die rund achteinhalb Minuten von GOOD BYE CITY LIFE packen DEAD SOUL TRIBE so viele verschiedene musikalische Ideen wie manch anderer nicht einmal in seiner gesamten Karriere zusammen bekommt (Hallo, Herr Bohlen, wir schauen gerade in Ihre Richtung), ehe es ohne Überleitung schon mit dem Angst-Einflössenden HERE COME THE PIGS weitergeht. Unterstützt von Drummer ADEL MOUSTAFA macht der Wahl-Wiener GRAVES die musikalische Büchse der Pandora auf und gießt die ganze Boshaftigkeit der Welt in ein einzelnes Stück Metal, das düsterer und härter nicht hätte ausfallen können. Musik zum Soundtrack des Wahnsinns.
Aber wie man es von DEVON GRAVES mittlerweile gewohnt ist, es gibt keinen Schatten ohne nicht auch ein paar helle Momente. LOST IN YOU beginnt mit einem solchen hellen und einschmeichelnden Moment, ehe sich auch dieses Stück wieder in die Tiefe der Finsternis stürzt, wo es kein Licht zu geben scheint. Auf diese Weise verläuft fast das gesamte Album, ein Parforce-Ritt für das Gemüt des Zuhörers, der sich an manchen Stellen ernsthafte Sorgen um den Gemüts-Zustand von DEVON GRAVES macht. Aber bei Stücken wie STAIRWAY TO NOWHERE und dem Instrumental THE GOSSAMER STRAND (mit genialem Querflöten-Solo) überwiegt dann doch die Hoffnung und die Zuversicht.
Natürlich gibt es auch auf diesem Album wieder Anleihen bei den Szene-Göttern von TOOL, denen DEAD SOUL TRIBE unbestreitbar musikalisch in gewisser Weise nahe stehen, die sie aber nicht kopieren. Es ist nur häufig eine ähnliche Stimmung, die beide Bands in ihrer Musik transportieren. Dabei sind DEAD SOUL TRIBE häufig straighter und musikalisch auch facettenreicher, denn auf den regelmäßigen Einsatz von Querflöte, Akustik-Gitarre oder Piano muss man bei TOOL noch warten.
Konsequente Weiterentwicklung! (21. August 2007)
Devon Graves is back! Und mit ihm ein neues DEADSOUL TRIBE Album. "Lullaby For The Devil" nennt sich das gute Stück, welches den Fans der in Österreich ansässigen Truppe einige Freudenseufzer entlocken dürfte, ist das Fünftwerk doch weitaus beseelter von einem kreativen Geist, als es die letzten Platten des ex-PSYCHOTIC WALTZ Sängers waren. Betrachtet man die Entwicklung der Band seit dem grandiosen "A Murder Of Crows", stellt man schnell fest, dass der Sound häufig auf den selben, sich oft wiederholenden, Trademarks fußte. Melodien, Akkordfolgen, Arrangements, die markanten Drumpassagen, alles schien von Album zu Album lediglich nur noch variiert zu werden und der frische Wind, denn die Combo zu Beginn ihrer Karriere entfachte, drohte in einem lauen Lüftchen zu Enden. Aber mit "Lullaby For The Devil" kommt nun die nötige Kurskorrektur um erneut Fahrtwind aufzunehmen. Der Song "Goodbye City Life" z.B. folgt völlig neuen kompositorischen Muster: Hier wird zunächst ein treibend tiefgestimmtes Gitarrenriff mit bombastischen Orchestereinspielungen verbunden um aus seinem schwermütigen, stampfenden Rhythmus in lockerleichte, akustische Gitarren- und Pianopassagen zu münden. Hier singt Devon in gewohnt fragiler, schmeichelnder Manier, steigert sich im Laufe des Songs jedoch in ungewöhnlich harte, stimmliche Regionen. So haben wir ihn noch nie zu hören bekommen, das ist sicher! Der nächste Song "Here Come The Pigs" wird beherrscht von Doublebass und unzähligen, teils recht flotten Gitarrensoli, einer Sache, die sich im klassischen DEADSOUL TRIBE Sound so gut wie gar nicht finden ließ. Auch "A Stairway To Nowhere" öffnet neue Facetten und besticht mit wunderbarem, bis dato nicht gehörtem cleanem Gitarrenspiel und ebenfalls die Querflöte kommt öfter und deutlicher zum Einsatz als je zuvor (wie z.B. bei "The Gossamer Strand").Neuerungen über Neuerungen wie man sieht. Doch keine Sorge, diese wirken zu keiner Sekunde aufgesetzt oder anbiedernd. Vielmehr haben DEADSOUL TRIBE ihren typischen Sound etwas aufgelockert um neuen Inspirationen Platz zur Entfaltung zu lassen. Mit Stücken wie "Lost In You" oder einer obligatorischen Ballade wie "Fear" schlägt man trotz der Neuerungen eine Brücke zum klassischen DST-Sound und kann mit dieser Kombination eigentlich nur neue Fans hinzugewinnen. Kurzum, das beste DEADSOUL TRIBE-Album seit "A Murder Of Crows".






