Kundenrezensionen zu 'Dylan'
Gute Werkschau mit ärgerlichen Schönheitsfehlern (26. Juni 2008)
Die Idee, Bob Dylans reguläre Studio-Veröffentlichungen mit einer 3-CD-Box zu würdigen, war überfällig. Die Aufgabe, die Jahre 1962-2006 auf 3 CDs chronologisch zusammen zu fassen, ist erfreulich gut gelungen, und das Booklet ist informativ und lecker gestaltet (Abbildungen der Vinyl-Singles!). Die Box orientiert sich im Wesentlichen am Konzept der Do-CD "The essential Bob Dylan" ein paar Jahre zuvor (die aber nur bis 1999 ging) und präsentiert aus fast jedem Studio-Album und somit fast allen von Dylans Schaffensphasen mindestens einen Song; von wichtigen Alben auch mal einen oder zwei mehr. Folgende Alben wurden nicht berücksichtigt: "Self Portrait" ('70 - danke!), "Dylan" ('73 - verständlich), "The Basement Tapes" ('67/'75 - schade) und "Saved" ('80 - bedauerlich). Aber die Songauswahl ist - angesichts der behandelten Zeitspanne von 45 Jahren im Rahmen des begrenzten Spielraums von 3 CDs - überwiegend gut gelungen und repräsentativ.Einen dicken Punkt Abzug gibt's jedoch für ärgerliche Fehler im Begleitheft, bei der Programmierung und vor allem beim Abgleich der Lautstärke einzelner Titel beim Mastern, auf die ich hier näher eingehe.
CD 1 (1962-1967): Most likely you go your Way ist und bleibt ein Albumtitel und hat hier nichts verloren (selbst wenn er parallel als Remix auf Maxi-CD veröffentlicht wurde); zumal I want you und I'll be your Baby tonight schmerzlich fehlen. Like a Rolling Stone hätte zeitlich nach und nicht vor It's all over now, Baby Blue kommen müssen.
Wirklich ärgerlich ist, dass Song to Woody im Verhältnis zu den folgenden Liedern derart laut ist, dass man (wie öfter auf diesen 3 CDs), ob im Auto oder auf dem MP3-Player, anschließend erstmal die Lautstärke nachregeln muss.
Des weiteren ist man bei A hard Rain's a-gonna fall, The Times they are a-changin', All I really want to do und My Back Pages (allesamt unbestrittene Klassiker in Dylans Oeuvre) über 18 Minuten ohne Unterlass dem immer gleichen eintönigen 3/4-Takt von Dylans Akustikgitarre ausgesetzt. Man hätte It ain't me Babe in die Mitte dieser vier Titel setzen und diesen ermüdenden Effekt deutlich abmildern können.
CD 2 (1969-1985): Precious Angel ist neben den zu erwartenden Kandidaten eine schöne Bereicherung. Gleich der erste Titel, You ain't goin' nowhere (hier ebenfalls im Kontext zu laut), ist allerdings nicht wie angegeben die "Basement Tapes"-Version, sondern (erfreulicherweise) die Akustikfassung von "More Bob Dylan's Greatest Hits" ('71). On a Night like this hätte unbedingt zugunsten eines Titels von "Saved" weichen müssen. Changing of the Guards (ebenfalls viel zu laut) scheint mir ein Edit des '99er Remix zu sein. Dark Eyes ('85) ist eine gute Wahl; allerdings ist es hier viel zu leise und hätte im Tausch mit dem '83er Outtake Blind Willie McTell die 3. CD eröffnen müssen.
CD 3 (1983-2006) bringt von "Oh Mercy" passenderweise gleich 3 Songs (Outtakes mitgerechnet). Super, dass mit dem elfminütigen Brownsville Girl der einzige brauchbare Song von "Knocked out loaded" vertreten ist! Things have changed (klasse Song, aber ebenfalls zu laut) hätte hinter, nicht vor Make you feel my Love gehört, und was Someday Baby (von "Modern Times") hier zu suchen hat, ist für mich nicht nachvollziehbar; da gab's Besseres.
Fazit: Klasse Idee und ein idealer Überblick nicht nur für Einsteiger. Die genannten Schönheitsfehler mögen vielleicht die meisten Hörer nicht stören, und ich kann mir gut vorstellen, dass Dylans Haltung der Plattenfirma gegenüber wahrscheinlich "macht ihr mal" ist; ich finde aber, in Zeiten, in denen jedes einfachere Brennprogramm Optionen anbietet, die Lautstärke der Titel einander anzugleichen, darf man von einer Plattenfirma die Sorgfalt erwarten, ihre Kreationen noch ein letztes Mal durch zu hören und auf solche Dinge zu achten, bevor die Glasmaster ans Presswerk geschickt werden.
DER Altmeister (19. Juni 2008)
Zugegebener Maßen, Bob Dylans näselnde Stimme ist gewöhungsbedürftig!Kein geringerer als Jimmy Hendrix hat auf die Frage, warum er denn auch singe, gesagt: "Bob Dylan singt auch!"
Gute Ironie!
Aber wer will an dem Altmeister auf dieser CD vorbei?
"Don't think twice, it's allright", Klassiker wie "Blowin in the wind" und "A hard rain's gonna fall"!
Alles auf einer CD! Eine sehr gute compilation! Respekt, Meister!
"Lay lady lay", was später auch von Eric Clapton vertont wurde, also da kommt nach meiner Meinung niemand an Altmeister Bob Dylan ran!
Ich feue mich, daß ich mir bei Amazon die Scheibe gekauft habe, "Don't think twice, it's allright!"
Eine umfassende Werkschau (28. Mai 2008)
Nachdem ich etwas ratlos aus dem Film "I am not there" gekommen war, wusste ich, dass es jetzt nur noch zwei Möglichkeiten gibt: Sich näher mit dem Phänomen Dylan zu beschäftigen oder keinen Gedanken mehr daran zu verschwenden. Ich entschied mich für die 1 Möglichkeit und für diese CD, um mir zunächst einen Überblick über das Schaffen Dylans machen zu können. Und dafür ist diese CD mehr als geeignet. Von den Anfängen bis zu "Modern Times" ist aus allen Epochen etwas dabei, wenngleich man bei der Vielzahl der Lieder in der Karriere Dylans keinen Anspruch auf Vollständigkeit stellen kann. So fehlt ein Song aus dem vielgelobten "Saved" leider vollständig. Wenn man sich dann noch Literatur besorgt ("Chronicles" ist eigentlich ein Muss, sehr zu empfehlen sind auch die kleinen Reclam-Bücher von Deterding) und sich die Mühe macht, zumindest die wichtigsten Songs zu übersetzten, öffnet sich jedem eine neue Welt, die zu entdecken sich lohnt. Die Melodien sind selten eingängig (Ausnahmen vielleicht "Lay, Lady, Lay"; "Dignity" und wenige andere), an die Phrasierungen bei Dylans Gesang muss man sich gewöhnen. Auch die Songs der ersten Phase, nur zu Gitarre und Mundharmonika, sind gewöhnungsbedürftig. Dafür sind die Texte und die Hintergrundinformationen (die man sich wie oben beschrieben besorgen muss) umwerfend! Am meisten beeindruckt hat mich "Ballad of a thin man" und "not dark yet - but itŽs getting there". Und dann macht das ganz schnell Lust auf mehr. Es dauert nicht lange und man bestellt sich die nächste Dylan-CD um mehr zu erfahren. Wer Dylans Gesang gar nicht mag, dem sei der Soundtrack von "IŽm not there" empfohlen. Das Booklet liefert eine überblickartige Geschichte über Dylans Karriere (in englisch) und man sieht, auf welchen CDŽs die Lieder zu finden sind, bzw. wann sie erschienen. Man sollte auch nicht den Anspruch haben, den Meister ganz verstehen zu wollen. Wie schon in dem Booklet der Platte steht: "You will never get to the bottom of it all".Zeitreise (15. April 2008)
Diese, einfach "Dylan" betitelte 3-CD-Collection spannt einen Bogen von Dylans 1962`er Debutalbum bis 2006 erschienenen Album "Modern Times". Im Gegensatz zu den anderen, in den letzten Jahren erschienenen Dylan Compilations sind hier wirklich so ziemlich alle essentiellen Titel versammelt (sogar sein "Masters Of War" ist endlich mal nicht unter den Tisch gefallen!), auch wenn Dylan-Experten dies wohl anders sehen. Für die ist diese CD-Box ohnehin nicht bestimmt, allen anderen bietet sie jedoch eine wirklich umfassende Werkschau, die dem musikalischen und textlichen Schaffen Bob Dylans aus über 45 Jahren einigermaßen gerecht wird. Und die Soundqualität stimmt hier auch, somit dreieinhalb Stunden in jeder Hinsicht faszinierende Zeitreise mit Bob Dylan!Für Einsteiger ideal (8. März 2008)
Ich habe Bob Dylan zeit meines Lebens mehr oder weniger ignoriert, weil mir seine Stimme nicht so gut gefiel. Durch den Film "I m not there" von Todd Haynes erwachte aber ein starkes Interessse, und auch, weil einige Menschen aus meinem Bekanntenkreis sehr große Fans von Bob Dylan sind. Neben dem genialen Soundtrack dieses Films hab ich mir diese 3-er-Box angeschafft. Ich schreibe diese Rezension als "Anfänger" im Bob-Dylan-Kosmos und meine Sicht auf diese Box fällt so aus: Mir gefällt die Song-Auswahl quer durch sämtliche Jahre sehr gut. Mit Sicherheit werde ich durch die für mich interessantesten Songs weiter geleitet zu den jeweiligen Alben. Das ist für mich ein Faktor, der Compilation 5 Sterne zu geben. Auch die Ausstattung gefällt mir sehr gut, wobei ein kleiner Mangel die fehlenden (sehr wichtigen) Texte sind. Vor allem finde ich die Qualität des Sounds sehr gut, da dieser - insbesondere was ältere Aufnahmen angeht - jetzt deutlich besser ist.Mir ist klar, daß Leute, die schon lange Fans von Bob Dylan sind, gewiss den ein oder anderen Song vermissen oder ihre Zusammenstellung von wichtigen und geliebten Songs eine völlig andere gewesen wäre, das ist auch in Ordnung, ich glaube, es ist sehr schwer, bei einem Musiker, der schon so lange auf einem sehr hohen künstlerischen Level Musik macht, eine Auswahl zu treffen, die repräsentativ ist oder allen Wünschen und Vorstellungen gerecht wird.
Für Fans, die bereits die meisten Platten im Schrank stehen haben, ist diese Box natürlich nicht so interessant.
Jedoch finde ich die Compilation für Einsteiger ideal. Sie werden sich - so wie ich - fast automatisch an weitere Werke von Bob Dylan ranmachen.





