Verkaufsrang: 3799 (DVD)
Actor: David Bennent
Actor: Angela Winkler
Actor: Mario Adorf
AspectRatio: 1.66:1
AudienceRating: Freigegeben ab 16 Jahren
Autor: Günter Grass
Binding: DVD
Brand: ARTHAUS
Director: Volker Schlöndorff
EAN: 4006680043173
Technische Details: FSK 16
Format: Dolby
Format: PAL
Format: Surround Sound
Label: Kinowelt Home Entertainment/DVD
Languages:
ListPrice:
Manufacturer: Kinowelt Home Entertainment/DVD
Verlag: Kinowelt Home Entertainment/DVD
RegionCode: 2
Erscheinungsdatum: 12. Oktober 2007
Spielzeit: 136
Studio: Kinowelt Home Entertainment/DVD
TheatricalReleaseDate: 10. Oktober 2000
von: David Bennent (Hauptdarsteller), Angela Winkler (Hauptdarsteller), Maurice Jarre (Komponist)
Preis: EUR 8,90
Kundenrezensionen zu 'Die Blechtrommel'
"Papa, ich hab eine Rolle, wie du sie dein Lebtag nicht kriegen wirst!" (David Bennent) (3. November 2008)
Viele die diesen Film sehen tun ihm Unrecht, schalten zum Beispiel nach der Hälfte gelangweilt oder angewidert ab und sagen, er sei überbewertet.So einfach kann man es sich nicht machen.
Nicht umsonst war dieser Film viele Jahre lang der einzige deutsche Film, der im Ausland den Oscar als bester Auslandsfilm bekommen hat. Und auch wenn einem die ungewöhnliche Geschichte unbehaglich ist, lässt sich die künstlerische Qualität nicht wegleugnen.
Auch wenn die pöbelhaften, ungebildeten Figuren den intellektuellen Betrachter mit Abscheu erfüllen - wie sonst gäbe der Film Sinn ? Schließlich ist es die Unzulänglichkeit der Erwachsenenwelt, die hier im Mittelpunkt steht und weswegen der (hervorragend von David Bennent verkörperte) Oskar Matzerath beschließt, nicht dazugehören zu wollen und dagegen trommelnd zu protestieren.
Ohne das Buch gelesen zu haben, erlaube ich mir von einer bemerkenswerten Verfilmung zu reden, die ein Fest für Geist und Auge ist und an Feiertagen (an denen man genug Zeit hat) immer wieder mal in den DVD-Spieler geschoben werden sollte.
Geschmackssache (4. August 2008)
Ich weiß, dass eine negative Rezension zu einem allgemein als gut anerkannten Werk in der Tiefe des Nicht-Hilfreich-Seins verschwinden wird, aber ich wage es trotzdem:Es mag sich bei der Blechtrommel um ein filmisches Meisterwerk handeln, aber dann fehlt mir persönlich wohl einfach der Zugang. Gut, einige Bilder sind schon prägnant und erzeugen eine gewisse Atmosphäre (die ich allerdings nur als unangenehm empfand - und nicht "passend unangenehm") und einige der Schauspieler zeigen gute Leistungen, aber das war für mich auch schon alles, was ich an Positivem sagen kann.
Mein erstes Problem mit dem Film ist, dass ich fast durchgehend angewidert war (nein, das liegt nicht im Speziellen an den Aalen). In hoher Frequenz wird gekleckert, gespuckt, gek...brochen, eine behaarte Damen-Achsel in die Kamera gehalten oder unästhetisch Beischlaf praktiziert. Mir ist klar, dass das wohl so gewollt und gewissermaßen ein Stilmittel ist, aber es hat dennoch einfach zusätzlich das kaum vorhandene Seh-Vergnügen geschmälert und ich bin einfach so dreist auch bei Literatur-Verfilmung ein wenig unterhalten werden zu wollen. Ich denke auch behaupten zu können, dass ich nicht besonders zartbesaitet bin, aber das war mir dann irgendwie doch etwas zu viel, zumal es meistens aufgesetzt und zweckmäßig wirkt. Ob das ein Kritikpunkt ist, muss aber wohl jeder für sich entscheiden.
Das zweite Problem sind die Figuren. Man hat es tatsächlich geschafft, einen Film zu machen, in dem jede einzelne Person unsympathisch ist und keinerlei Bezugspunkte für den Zuschauer bietet. Demzufolge ist es einem dann auch relativ egal, was mit ihnen passiert, denn die Figuren sind nicht einmal auf interessante Weise abstoßend.
Mein drittes und schwerwiegendstes Problem aber ist die Handlung. Sie ist einfach uninteressant und größtenteils belanglos. Es passiert kaum wirklich etwas, das einer Entwicklung der Personen oder überhaupt einer Rahmenhandlung gleichkommt, sondern der Film besteht aus lose aneinandergereihten Episoden, von denen die wenigsten mein Interesse wecken konnten. Über weite Strecken habe ich eher gehofft, dass es schnell weitergeht, weil mich die kaum vorhandene Handlung gelangweilt oder die Figuren wieder genervt haben.
Insgesamt trifft "genervt" auch recht gut meinen Gemütszustand beim Sehen des Filmes (ich empfehle, sich den Film keinesfalls anzusehen, wenn man ohnehin schon einen anstrengenden Tag hinter sich hat, denn das ständige Durcheinandergeplärre und natürlich das allgegenwärtige Getrommle können schon an den Nerven zerren). Bis auf die Blechtrommel ist auch kaum ein erkennbarer roter Faden vorhanden und die Figuren mag man schon nach kurzer Zeit nicht mehr sehen, so dass man sich am Ende fragt, wozu man sich das Ganze überhaupt angesehen hat. Den zweiten Stern habe ich wegen den eingangs genannten positven Aspekten vergeben, und weil der Film dann doch einen gewissen Eindruck hinterlässt und das alleine ist eigentlich schon ein gutes Zeichen.
Ein berechtigter Oscar für das Oskarchen (21. März 2008)
Dass sich Grass' "Blechtrommel" verfilmen ließe, hätte ich durchaus bezweifelt, bevor ich den Film sah -- die Romanhandlung ist dermaßen vielschichtig und perspektivisch gebrochen, dazu die unendlich vielen Nebenhandlungen und -motive... und dann noch die Schwierigkeit, den geeigneten Hauptdarsteller zu finden.Schlöndorff hat nun die Romanhandlung "auf Linie" gebracht; wie man hört, unter tatkräftiger Mitarbeit von Günter Grass. Das Ergebnis ist frappierend. Viele Nebenhandlungen werden nur angedeutet, und im Gegensatz zum Roman endet der Film mit der Flucht aus Danzig. Eine kluge Entscheidung, finde zumindest ich, denn nicht nur hat mich der Romanteil, der im Nachkriegsdeutschland spielte, weniger überzeugt -- durch die Beschränkung aufs Wesentliche wird der Film zu einem in sich ruhenden Ganzen.
Scheinbar geht es um die Geschichte des kleinen Oskar Mazerath (David Bennent), 1924 in Danzig geboren. "Scheinbar", das heißt nämlich: Oskars Geschichte beginnt viel früher, weit vor seiner Geburt, mit seiner Großmutter Anna Bronski (Bertha Drews) und der Zeugung seiner Mutter Agnes (Angela Winkler) -- oder noch früher, wer weiß. Die Anfänge sind in archaischen Bildern festgehalten.
Agnes wird sich zeit ihres Lebens nicht zwischen zwei Männern entscheiden können: ihrem bodenständigen, "vernünftigen" und etwas lächerlichen strammdeutschen Ehemann Alfred Mazerath (Mario Adorf) und ihrem schönen, galanten und eleganten kaschubischen Vetter Jan Bronski (Daniel Olbrychski); schon den Vater des kleinen Oskar wird man nie recht bestimmen können. An seinem dritten Geburtstag beschließt Oskar, nicht mehr zu wachsen, und tarnt diesen Entschluss durch einen Sturz von der Treppe; damit ist den logischen Bedürfnissen der Erwachsenen Genüge getan. An jenem Geburtstag bekommt er, wie bei seiner Geburt prophezeit, seine erste Blechtrommel, die ihn fortan begleiten wird. Außerdem stellt sich bald heraus, dass er über eine besondere Gabe verfügt: Er kann Glas zerschreien, und diese Fähigkeit wird er immer wieder als Waffe, aber auch gelegentlich zu Liebeserklärungen und zur Unterhaltung einsetzen.
Oskar wächst also im Danzig der 1920er und 1930er Jahre auf, man erlebt mit ihm das Aufkommen von Nationalsozialismus und den Novemberpogrom im unabhängigen Stadtstaat, schließlich den allseits bejubelten "Anschluss" ans Deutsche Reich und den Kampf um die Polnische Post in Danzig, den Zweiten Weltkrieg, den Einmarsch der Roten Armee und die Flucht. Oskar nimmt an der Geschichte teil, mal verweigernd, mal kommentierend, aber auch aktiv, als Mitglied von "Bebras Fronttheater" zur Unterhaltung der Wehrmacht.
In die Geschichte integriert ist die Familiengeschichte der Mazeraths und der Bronskis, das lächerliche "Deutschtum" von Vater Mazerath ebenso wie Jan Bronskis Option für Polen (die Bronskis sind Kaschuben, und die sind, wie am Ende die Großmutter bemerkt, "nicht richtig deitsch und nicht polnisch genug").
------ SPOILER-Beginn ----------------------
Außerhalb der großen Geschichte bestimmt Oskar die Geschicke der Familienmitglieder: Er "trommelt seine arme Mama ins Grab", nachdem er zuvor noch ihre Absolution von den Sünden trommelnd verhindert hat; er führt seinen Onkel und mutmaßlichen Vater Jan Bronski in den Tod, indem er ihn an dem Tag in die Polnische Post zerrt, als die Wehrmacht in Danzig einmarschiert; er schwängert womöglich Maria (Katharina Thalbach), die 16jährige Geliebte seines Vaters, und auch bei diesem Kind, Kurtchen, wird man den Vater nicht bestimmen können; er zwingt beim Einmarsch der Russen seinen Vater dazu, sein Parteiabzeichen zu verschlucken -- mit tödlichem Ausgang. Oskar, nun 21 Jahre alt und Waise, beschließt, wieder zu wachsen.
Am Ende verlässt Maria mit Kurtchen und Oskar die Stadt, zurück bleibt die archaisch-unerschütterliche Großmutter.
------ SPOILER-Ende ------------------------
Der Film zeigt diese Geschichte(n) in mehr oder weniger locker verbundenen Szenen, die Kamera nimmt oft ungewöhnliche Perspektiven ein, verweilt immer wieder auf nur scheinbar Nebensächlichem, und führt so zu unvergesslichen Bildern: Etwa wenn Oskar bei einer Parteikundgebung den Badenweiler Marsch in den Donauwalzer umpolt, oder in der berühmten Szene mit den Aalen (empfindsamen Gemütern sei's gesagt: Im Buch ist das noch viel ekliger), bei der Verteidigung der Polnischen Post und Jan Bronskis letztem Skatspiel, und vielen weiteren. Der Film lebt von solchen Szenen, und dabei bleibt stets der Zusammenhang erhalten; die effektvollen Bilder sind niemals Selbstzweck.
Diese Einzelszenen wiederum leben von der Klasse der Schauspieler -- allen voran natürlich der selbst kleinwüchsige David Bennent, dessen Oskar weniger boshaft und dafür anrührender als die literarische Vorlage wirkt, aber auch die anderen: Angela Winklers Darstellung der Agnes überzeugt von der ersten Szene an und gipfelt darin, wie sie sich verzweifelt mit Fischen vollstopft. Ebenso phantastisch sind Daniel Olbrychski als unwiderstehlicher Jan Bronski oder Charles Aznavour als Spielzeughändler Sigismund Markus oder Katharina Thalbach als Maria -- und alle anderen auch. In der "Blechtrommel" sind selbst die kleinsten Nebenrollen perfekt besetzt.
Aber was einem erst nach mehrmaligem Sehen auffällt: Die wahre Hauptperson, die alles zusammenhält auf allen Ebenen, ist die kaschubische Großmutter. Wann immer sie in Erscheinung tritt, beherrscht und bestimmt sie alles, ohne direkt eingreifen zu müssen. Es liegt an der unglaublichen Präsenz Bertha Drews', dass dieser Film das ist, was er ist: Ein Meisterwerk!




