Aus der Amazon.de-Redaktion
Sie sind wieder da, die Freibeuter der Rock-Meere, spinnerte Songschreiber mit der Narrenkappe auf dem Kopf, dem Schalk im Nacken und dem Freifahrtschein in der Tasche: Ween. Schon im Sommer 2007 deuteten sie mit der EP The Friends an, dass sie einmal mehr dabei sind, Absonderliches, Schrulliges und Abenteuerliches auszuhecken. Genau so kommt es ein paar Monate später auf La Cucaracha, denn die beiden Freigeister des musikalischen Irrsinns zünden ein Feuerwerk der durchgeknallten Ideen. Ob ungepflegter Jazz, hemmungsloser Dancefloor, überdrehter Country, verrauchter Reggae oder verschwurbelter Indie-Rock, die zwei Nicht-Brüder Dean & Gene aus New Hope / Pennsylvania treiben es inklusive einiger textlicher Boshaftigkeiten wunderbar bunt. Auffällig an dem Album mit dem übersetzten Titel „Küschenschabe“ bzw. „Kakerlake“ sind neben einigen sensiblen, melancholischen Tracks wie „Object“, dem wunderschönenm „Spirit Walker“ und insbesondere der liebevollen Pianonummer „Lullaby“ die vielen Up-Tempo-Stücke und Gassenhauer, allen voran „Fiesta“ und „Friends“. Nach eigenen Aussagen von Dean fanden nur dreizehn von 50 Songs den Weg auf La Cucaracha, das in einem 200 Jahre alten, verschimmelten Farmhaus entstand. Eine Atemwegsinfektion soll er davongetragen haben. Kinder und Hunde bekamen Hausverbot und Dean wünschte sich, dass ein Bulldozer die Bude abreißt. Ansonsten war die Stimmung prächtig, und das glaubt man ihnen sofort. --Sven NiechziolKundenrezensionen zu 'La Cucaracha'
aaaaaaaah! (10. August 2008)
wußte gar nicht, dass auch amis schlechtes englisch singen können. als ich "party" im radio hörte dachte ich mir: "welcher 8-klässler hat denn diesen text geschrieben und von seinem übelstes schulenglisch sprechenden vater einsingen lassen" um dann zu erfahren, dass das muttersprachler sind. mit abstand das übelste (sowohl vom arrangement als auch textlich) was ich in den letzten 10 jahren gehört habe. und mit ironie oder witz hat diese musik nur was für passionierte langweiler zu tun. maximal.... als würde man einen gut gemixten Sampler hören (15. Dezember 2007)
Ween wurden im Jahre 1984 gegründet und haben alle Hypes und Modeerscheinungen überlebt, weil sie sich zu keiner Zeit irgendeiner Stilrichtung endgültig verschrieben haben. Ihre Alben klingen eigentlich immer so, als würde man einen gut gemixten Sampler hören und so ist es auch mit La Cucaracha. Es geht los mit einem Instrumental Kracher der gut und gerne in den siebzigern eine Titelmelodie im Fernsehen hätte abgeben können. Dem folgt das sehr relaxte "Blue Balloon" und das etwas nervös wirkende "Friends" welches an die Godfather of Pop, die Pet Shop Boys erinnert. "Object" ist dann wieder ein ruhiger Song dem der Rockabilly lastige Song "Learnin' To Love" folgt. "My Own Bare Hands" ist dann ein Garagekracher der gefolgt wird von einem Reggaesong. In "Spirit Walker" haben sie sich offenbar den Voicedecoder von Cher ausgeborgt. Und so geht es Song für Song, man wird gut unterhalten, bei jedem hören entdeckt man etwas neues und so wird es nie langweilig. Ich mag die Jungs einfach - sie sind unvergleichlich und so schön schräg.The wife and I thank you very much (10. Dezember 2007)
Ich muß gestehen, daß ich mich seit "Buenas Tardes amigo" (mein Einstieg) nichts von Ween mehr so sehr begeistert hat wie diese Scheibe.Bin allerdings auch etwas raus gewesen nach dem Album "Pod". Dachte irgendwie, meine Ween-Zeit sei vorbei - aber denkste.
La Cucaracha geht gnadenlos ins Ohr. Song eins hatten wir allerdings die ersten zwei Wochen oft übersprungen, weil er uns nach der Arbeit zunächst etwas *überforderte*, aber nach dem Einhören läuft die Scheibe jetzt komplett durch.
Das letzte Lied, Your Party, ist ein besonders gemeiner Song, weil er eigentlich ganz ruhig und mit viiiiel understatement nicht nur sehr viel *Amüsemang* erzeugt, sondern noch den ganzen nächsten Tag im Trommelfell widerhallt. Und man darf den Refrain uneingeschränkt an Ween zurückgeben (wenn auch mit weniger Ironie):
We had the best time at your party,
The wife and I thank you very much.
Ein Album, das man richtig im Original mit allem *altmodischen* Drumherum besitzen sollte. Sooo gut ist es.
Es funkt auf den zweiten "Blick" (18. November 2007)
Das neue Werk von Ween ist nicht sofort ein "earcandy", hat aber das Potential, sich dazu zu entwickeln. Beim ersten Hören war ich zunächst recht enttäuscht, zumal die "Friends E.P." vorab (bis auf den Titel-Track/Dreck :-) vielversprechendes ankündigte. Wie das aber als Fan so ist, gibt man seinen Lieblingsbands ja mindestens eine zweite Chance und ist versucht, sich das jeweilige Werk schön zu hören. Im vorliegenden Falle habe ich dazu doch einige Anläufe gebraucht. Klar gab es bereits beim ersten hören, zwei bis drei Lichtblicke, die sich bereits im Ohr verankerten. Dazu gehören zweifelsohne die beiden Stücke "Object" sowie "Your Party", musikalisch wie textlich.Song by Song:
Den Auftakt des Albums macht das instrumentale, kunterbunte, quietischig-quirrlige "Fiesta" (4/5 Sterne)- eine nette Ouvertüre, die Lust auf mehr macht und die Spannung steigen lässt.
Mit "Blue Balloon" (4/5 Sterne) geht es dann etwas ruhiger weiter, als der Opener es vermuten lässt - jedoch ein typisch schräges und doch eingängiges Ween-Stück, das sich stilistsch schwer beschreiben lässt. Es folgt das Low-Light "Friends" (2/5 Sterne), bereits bekannt von der E.P., jedoch in etwas anderem Soundgewand, aber auch nicht besser.
"Object" (5/5 Sterne) ist dann das erste wirkliche Highlight, das sofort ins Ohr geht und das textlich so auch nur von einer Band wie Ween gesungen werden darf.
Nach dem eher mittelprächtigen "Learing to love" (3/5 Sterne) gibts dann mit "My own bare hands" (4/5 Stene) eine eher old-schooliges Ween-Stück zu hören, das auch auf "The Pod" hätte stehen können.
"The fruit man" (4/5 Sterne) ist entspannter Reggae-Sound, kein wirkliches Highlight, aber einfach gut.
"Spirit Walker" (4/5 Sterne) setzt sich mit seinem von einem Vocoder oder ähnlichem verzerrten Refrain schnell im Ohr fest (4/5 Sterne), während "Shamemaker" eher wieder unterer Durchschnitt ist (3/5 Sterne). "Sweetheart in the summer" (4/5 Sterne) kommt dann eher wieder aus der easy-Listenig-Ecke von Ween, leichte Beatles-Anklänge.
"Lullaby" ist eher ein Füller (3/5 Sterne) bevor es zum Ende des Albums mit "Woman and man" (5/5 Sterne) nochmals richtig zur Sache geht. Das sehr lange Stück erinnert phasenweise an Pink Floyd in ihren Anfangstagen oder in den rockigeren Passagen auch an Deep Purple's epischere Stücke wie "Child in time".
Zum Abschluss setzen Ween mit "Your Party" (5/5 Sterne) nochmals ein absolutes Songjuwel in die Welt, das soundtechnisch zwischen Jazz und '80er Jahre-Schmusesong-Saxophon, äusserst smooth und textlich einfach nur cool und böse zugleich.
Fazit:
La Cucaracha zündet vielleicht nicht gleich beim ersten mal. Gebt dem Album ein paar Durchläufe und entdeckt eure Favoriten, es lohnt sich. Im Vergleich zu den Band-Highlights wie "Chocolate and Cheese" oder "The Mollusk" kann das aktuelle Release nicht ganz mithalten, steht aber in einer Liga mit den zuletzt veröffentlichten Alben. Bleibt zu hoffen, dass das Album weiterhin so an Stärke gewinnt, je länger man es hört.
Popmusik mit verstörendem Beiklang (15. November 2007)
Ween haben verstanden, dass Popmusik Realität in eine Wunschwelt spiegelt und werfen wiederum Popmusik durch einen (Zerr-)spiegel auf den Hörer zurück. Sie sind zwar gelegentlich witzig, aber in erster Linie irritierend. Diesmal mehr denn je: Blue Balloon mischt Mythos mit MarioBros Ästhetik, Friends ist ein nur auf den ersten Blick oberflächlicher Party-Song über einen Homosexuellen, der sich vor der Erfüllung seiner Wünsche fürchtet - "Scary to think that I could be happy", gefolgt von einem simplen und nachvollziehberaren (!) Blick in die Seele eines Frauenmörders "But I've got my pride and my time isn't free - you're just an object to me", gefolgt von überdrehtem Rodeo Country, dann ein Song über den viel übersehenen Macho-Charakter der Wissenschaft "I can clone your DNA with my own bare hands", usw bis hin zu einem episch-religiösen Aufruf zum Kampf "Killing for live - living is: fighting together" bis am Ende die Geräusche von Maschinenfeuer und Sterbenden nahtlos in die saxophongetünchte Huldigung einer Wohnzimmerparty übergehen.Und das Irritierendste: alles ist wunderbar unterhaltsam, sehr witzig zum Teil. Das Album ist (Pop-)musikalisch auf höchstem Niveau gespielt und mit Feinsinn produziert. Erst beim genauen Zuhören nimmt man unter der Süße den Ween-typischen Modergeruch wahr.






