Aus der Amazon.de-Redaktion
Das ist ein gewaltiges wie gewagtes Projekt, das Regisseur Todd Haynes mit seinem Film wie dem dazugehörigen Soundtrack I’m Not There gestemmt hat. Wie er schon in seinem Streifen Velvet Goldmine gar nicht erst riskiert, das Leben von David Bowie minutiös nach zu zeichnen, so wenig begibt er sich auf eine zum Scheitern verurteilte Mission, die nicht minder wendungsreiche Biographie von Bob Dylan zu verfilmen. I’m Not There ist kein Biopic wie Streifen über Johnny Cash oder Ray Charles, nicht mal klassisches Erzählkino, denn Haynes verteilt die Persönlichkeit Dylan auf sechs Schauspieler, die zeitliche Abschnitte repräsentieren. Da ist die Musik schon konkreter und doch weit entfernt von einem normalen Soundtrack, Tribute-Album oder einer Ansammlung von Coverversionen. Nur der Titelsong stammt von Dylan selber und war nur auf Bootlegs der Reihe Basement Tapes zu finden. Die restlichen 33 auf zwei CDs verteilten Lieder, von denen nicht alle im Film zu hören sind, wurden von einer exquisiten Künstlerschar neu interpretiert. Ein interessantes wie gelungenes Experiment ist die Installation von zwei Hausbands, die sich an einem Großteil der Songs beteiligen: die Wüstenrocker Calexico und The Millionen Dollar Bashers, die unter anderem aus den beiden Sonic-Youth-Mitgliedern Lee Ranaldo und Steve Shelley, Tom Verlaine (Television), Dylans langjährigem Bassisten Tony Garnier und Nels Cline von Wilco bestehen. Sie begleiten eine Vielzahl ausgezeichneter Sänger wie Eddie Edder, Stephen Malkmus (ex-Pavement), Willie Nelson oder Charlotte Gainsbourg. Kein einziger Song, nicht einmal Antony & The Johnsons Sternstunde „Knockin’ On Heaven’s Door“ oder das packende „Dark Eyes“ der Co-Op Iron & Wine mit Calexico entfernt sich außer Sicht- bzw. Hörweite vom Original, und doch herrscht ein stilistisch große Eigenwilligkeit und Abwechslung zwischen Alternative, Country, Rock und Folk. Diskussionsstoff bietet auch die Auswahl, die sich weder auf die großen Hits reduziert noch in Sektierertum verfällt. Auch wenn Yo La Tengo, Mark Lanegan, Cat Power, Roger McGuinn (Byrds), Sufjan Stevens, Jeff Tweedy oder Woodstock-Veteran Richie Havens auf schon ein wenig vermisste Evergreens wie „I Want You“ oder „Hurricane“ verzichten, so steckt I’m Not There voll mit wesentlich mehr guten als respektablen Songs. --Sven NiechziolKundenrezensionen zu 'I'm Not There'
Sampler (9. September 2008)
Zu Ehren BobŽs gemachter Sampler mit Dylan Liedern kompetent interpretiert von der Creme der aktuellen Folkscene, oft begleitet von Galexico, traumhaft.Ich bin nicht da... (6. September 2008)
und damit ist leider Bob Dylan gemeint.Auf die Gefahr hin für meine "negative" Kritik gekreuzigt zu werden, schicke ich mal voraus das mir der Film sehr gut gefallen hat. Habe den sogar gleich drei mal gesehen. Und die 5 anderen Leute die den Film auch gesehen haben, wissen das nur ein Bruchteil der Songs auf dem Soundtrack auch im Film verwendet wurden. Und nachdem ich die CD jetzt ein paar mal rotieren ließ, weiß ich auch warum.
Also ich bin bestimmt kein Purist oder einer dieser Dylanologen Spinner. Aber warum Coverversionen verwenden wo doch die Originale absolut zeitlos sind? Das heißt jetzt aber auch nicht das es keine guten Dylan Cover-Songs gibt. Jimi Hendrix's Version von All Along The Watchtower oder Thalia Zedeks Version von You're A Big Girl Now überflügeln sogar die Originale. Wenn so etwas überhaupt möglich ist. Aber auch Tangeld Up In Blue von den Indigo Girls kann sich hören lassen.
Keiner dieser Songs ist allerdings auf dem Soundtrack von I'm Not There enthalten. Stattdessen bekommt der geneigte Hörer gleich mit dem ersten Song die grauslichste Version von All Along The Watchtower vorgesetzt die ich je gehört habe. Ausgerechnet von Eddie Vedder (Pearl Jam) der ja sonst nicht viel falsch macht. Aber auch die anderen "Promis" liegen hier oft total daneben. Wenn man den Beitrag der lieblichen Charlotte Gainsbourg hört, wünschte man sich die hätten dafür Leonard Cohen angeheuert. Tom Verlains Cold Irons Bound hört sich so an als wäre es ein Outtake vom Dead Man Soundtrack. Aber das sind noch nicht mal die Totalausfälle. Diese zweifelhafte Ehre gebührt sicher Karen O's Verstümmelung von Highway 61 (auch schon mal grandios von PJ Harvey gecovert).
Es gibt aber auch gute Beiträge. Goin' To Acapulco von Jim James und Calexico oder Richie Havens Tombstone Blues, die auch schon im Film glänzten. Aber wenn man dann im letzten Song Dylan höchstpersönlich hört, fragt man sich doch warum nicht gleich die Originale?
Also um es mal auf den Punkt zu bringen hier ein Zitat aus dem Guns N' Roses Cover-Album The Spaghetti Incident. Da ist im Innencover folgendes zu lesen: "A great song can be found anywhere. Do yourself a favour and go find the originals!".
Und noch was am Rande zu diesem Dylaneinsteigeralbumquatsch. Einfach Blood On The Tracks hören und fertig.
Ein ehrenvolles Debüt für den Meister persönlich (31. Juli 2008)
Dieser Soundtrack zum gleichnahmigen Film übertraf alle meine Erwartungen.Anstatt lieblose Wiedergaben von Bob Dylans bekanntesten Songs zu hören, überraschten mich Neuinterpretationen von bekannten wie auch unbekannten Sängern.
Die erste von den beiden CD's ist großartig. Hier gibt es keinen Song, der nicht gefällt. Alle haben ihren eigenen Charme, sind abwechslungsreich, gut gemischt was Bekanntheitsgrad und Stimmung angeht und sind alle mit einer gehörigen Portion Talent vorgetragen. Mein Favorit ist ganz klar das letzte Stück "Senor".
CD Nummer 2 beginnt gut, aber hört sich dann doch mehr wie eine B-Seite an. Damit will ich nicht sagen, dass die Stücke schlecht sind, aber es fehlt ihnen dennoch eine große Portion vom Charme der ersten. Zum Schluss gibt Bob Dylan mit "The band" noch einmal den Titelsong zum besten. Hier ist allerdings kein Lied zu finden, das mich auf Anhieb überzeugte, aber das ist ja bekanntlich geschmackssache.
Fazit: Schon allein wegen der ersten CD eine mehr als lohnende Ausgabe, daran kann die Zweite, die trotz aller Mängel dennoch solide, aber eben nicht ganz so großartig ist, nichts ändern. Absolut kaufenswert!




