Kundenrezensionen zu 'Danger-Part 4'
Dänikenetik für Apokalypten (4. März 2008)
Der vierte (bzw. fünfte) Teil der Reihe DANGER überrascht ein weiteres Mal mit einem ungewöhnlichen Setting: Einem alten Maya-Tempel im Dschungel Südamerikas.Als Freund abgeschlossener Geschichten ohne Fortsetzungscharakter ist die DANGER Reihe für mich ein seltenes Phänomen, bei dem ich mit jeder Folge zunächst vorsichtig anlausche, ob es sich nicht doch noch auf einen Helden oder eine Gruppe von Protagonisten einspielt, um dem offenbar unter Hörspiel-Fans verbreiteten Hang zu Serienhelden gerecht zu werden.
Bisher wurde ich immer wieder positiv überrascht, und die Reihe DANGER entwickelt sich so vielfältig und variantenreich in ihren Geschichten, dass ich jede Neuerscheinung mit gleicher kindlicher Neugier erwarte.
Der Autor ist ein Geschichtenerzähler im ursprünglichen Sinne, und obwohl er aus literarisch traditionellen Quellen schöpft, tut er dies mit leichter Hand und einem Gespür für das Unverbrauchte die noch nicht allzu ausgetretenen Wege.
Die bisher abgedeckten Genres führten den Hörer von phänomenologischer Mystery (Zeitzonen) über apokalyptische Postmoderne (Exit-US) und klassischen Pulp Horror (Das Ding aus der Tiefe) bis hin zu kryptozoologischer Abenteuergeschichte (Begegnung im Eis) und nunmehr zu einer dänikenetischen Vision mit erfrischend/erschreckend neuem Twist.
Diese Bandbreite an Geschichten ist beeindruckend, und wer über 30 ist wird darin viel von seiner eigenen Kulturentwicklung wieder erkennen.
Angesichts dessen finde ich es umso trauriger, dass die meisten erfolgreichen Hörspielserien so leichtfertig aus den immer gleichen Stoff- und Motivtöpfen löffeln, deren Geschmacksrichtungen sich in Detektiven, Geisterjägern und abenteuerlichen Jugendbanden zu erschöpfen scheinen.
TIKALS ERWACHEN ist eine dichte und eindrucksvolle Erzählung, deren Verlauf eher auf Stimmung als auf Sensation setzt, deren Schluss mich in seiner Prägnanz aber völlig umgehauen hat. Ohne zuviel zu verraten muss ich dazu erklären, dass es nicht darum geht, WER am Ende auftaucht, sondern WAS sie verkünden.
Der fast religiösen Euphorie der Pseudo-Wissenschaftler und Prä-Astronautiker der 70er Jahre wird hier ein harter Tritt versetzt, der nur in einer Epoche wie dieser ausgeführt werden konnte, in der die Visionen von Rückbesinnung und Neuordnung stets mit Krieg, Blut und Vernichtung einher zu gehen scheinen.
Wo EXIT-US sich unerwartet selbst aus seiner apokalyptischen Zukunftsvision erlöst, stürzt TIKAL den aufmerksamen und empfindsamen Hörer ebenso unerwartet in ein böses, dunkles Loch. Für mich die beste Art des Schauderns, zumal die Geschichte den Mut hat, an exakt der richtigen Stelle zu enden und den Hörer seinen persönlichen Zukunftsaussichten zu überlassen.
Ein wenig schade mutet an, dass die Produktion sich sehr zurückhaltend zeigt und z.B. den fanatischen Priester mit wenig dämonischem Flair beseelt, den Urwald und den Tempel akustisch nicht zu jenem Vorort der Hölle erweitert, zu dem ihn eindringliche Musik und klaustrophobische Sound-Effekte hätten machen können.
Fast denke ich, dass dieser Stoff in einem Radio-Hörspiel besser aufgehoben wäre, wo weniger Routine und mehr Freude am Experiment herrschen aber das soll die Maritim-Produktion nicht ernsthaft herab würdigen!
TIKAL ist ein Hörspiel, das ich mir gleich zweimal anhören musste, da die Charaktere im Schatten ihres Schicksals noch einmal so tragisch anmuten.
Als nächste Folge der DANGER Reihe ist ein Titel namens ENTWEIHT angekündigt, und ich genieße schon jetzt die in mir aufflammenden Mutmaßungen, an welchen Ort und in welche Zeit mich jenes (hoffentlich wieder abgeschlossene) Hörspiel mit sich nehmen wird...
Solide inszenierter Hörspiel-Thriller (2. März 2008)
Recht glaubwürdig bringen die Sprecher - allen voran Walter von Hauff, Michael Scherntaner, Dagmar Dempe und Eckard Dux - ihre Rollen dem Hörer nah. Nur im späteren Verlauf, wenn das Hörspiel zunehmend brutaler wird, klingt manches ein bisschen bemüht. Hintergrundgeräusche und Musik sind dafür sehr gekonnt eingesetzt. In Anbetracht dessen, dass sich "Tikals Erwachen" nur über eine CD erstreckt, sind überraschend viele Sprecher am Werk. Besonders nett sticht das Extra ins Auge: Nach der eigentlichen Geschichte präsentiert man dem Hörer noch einige Outtakes, die beweisen, dass es auch bei Produktionen mit düsterem Szenario sehr lustig zugehen kann.Für die fast 80minütige Handlung verantwortlich ist Andreas Masuth. Atmosphäre erzeugt er dadurch, dass er ins Zentrum des Geschehens das kulturelle Erbe des an sich bereits geheimnisvollen Maya-Volkes setzt. Seinen Plot würzt er dann noch mit einer gewaltigen Portion New Age, Endzeitstimmung und Science Fiction, was eine erstaunlich gute Symbiose ergibt und ein bisschen an die Theorien von Erich von Däniken erinnert.
Der Schluss kommt etwas plötzlich. Fast möchte man vermuten, dass die Handlung im nächsten Teil fortgesetzt wird - dem ist jedoch nicht so und dafür war der Bodycount wohl auch zu hoch.
Die Altersempfehlung - ab 16 Jahre - steht in diesem Zusammenhang nicht umsonst auf dem Cover. Zunächst wird dem Hörer zwar nur von Gräueltaten berichtet, in der zweiten Hälfte der Handlung wird diese jedoch in ihrer Brutalität sehr graphisch und ist nichts für zarte Gemüter. Da jagt einem die Geräuschkulisse tatsächlich den einen oder anderen Ekelschauer über den Rücken.
Dieser Teil von Danger richtet sich somit an alle, die etwas für solide inszenierte Hörspiel-Thriller übrig haben, die mit einem gewaltigen Schuss Mystik versetzt sind.




