Aus der Amazon.de-Redaktion
Nach vier Jahren ist er wieder zurück, nach langer Krankheit und wohl auch so manchem verzweifeltem Moment. Vor 17 Jahren hatte er sich den rechten Daumen verletzt, eine Wunde, die nie richtig heilen wollte, derer wegen er immer wieder pausieren musste. „Ich will kein Linke-Hand-Pianist sein. Dann lieber gar nicht“, hat er immer wieder betont, wenn man ihm mit dem Argument tröstete, es gäbe ja auch Repertoire für einhändige Pianisten.Im Rahmen eines hochwertigen Digipack mit einem Faksimilie-Druck des ersten Notenblattes einer Bach Partita erscheint nun Perahias Einspielung der drei Partiten von Johann Sebastian Bach (Nrn. 2,3, 4). Im Gespräch sagt Perahia: ihn interessiere bei Bach zu erfahren, wie der Kontrapunkt zur Harmonie werde. Und er schafft es, aus dem polyphonen Geflecht die Melodie entströmen zu lassen, auf eine ihm so eigene Weise, dass man regelrecht vom „Perahia-Sound“ sprechen kann. Weich ist der Klang, lyrisch, nobel und stets organisch rund. Ein Vergleich mit Glenn Gould drängt sich auf, wenn auch im umgekehrten Sinne: denn wenn man sich von Perahias softiger Klangwelt einlullen läßt, kommt einem Gould in seiner aggressiv vibrierenden Vitalität und phantastischen Präzision wie Hardcore vor. Die Wahl zwischen beiden bleibt also reine Geschmackssache. Teresa Pieschacón Raphael
Stern, 19.03.2008
"Es muss nicht immer Glenn Gould sein, wenn Johann Sebastian Bach und ein Klavier in Vollendung aufeinandertreffen: Der amerikanische Pianist Murray Perahia hat Bachs Partiten Nr. 2, 3 und 4 ganz innig und intim eingespielt. Eine Sternstunde!"Welt am Sonntag, 16.03.2008
"...gehört Perahia zu den wenigen Pianisten, die Johann Sebastian Bachs (...) Klavierwerk schlüssig, intellektuell durchdrungen, aber auch berührend auf einem modernen Flügel interpretieren können. Man kann das auf der eben erschienenen CD mit den Partiten Nr. 2,3 und 4 nachhören."Spiegel Online, 2.4.08
"Perahia meldet sich zurück und zeigt seinen Kritikern mit perfekt gespielten Bach-Partiten, dass er besser denn je ist. Er ist ein Zauberer."Stereoplay 05/08
Die CD des Monats "Der Klavierton Murray Perahias gehört zu den schönsten und nobelsten. [...] hinter dieser pianistischen Meisterschaft Perahias gibt es in dieser Aufnahme eine Tiefe und einen Ernst, die einen demütiges Staunen lehren, und zwar gleichermaßen vor der Größe dieser Musik wie vor der dieser Interpretation."CD Tipp, Bayern 4 Klassik, 3.4.2008
"Es ist einfach hinreißend, mit welch subtiler Intensität der amerikanische Meisterpianist die ja nicht bloß schwungvollen oder anmutigen, sondern von Bach vielmehr zu Charakterstücken transformierten, barocken Tanzsätze als lebendige Klangreden gestaltet. Sein spektakuläres Bach-Spiel besticht zum einen durch die hörbare Durchdringung der gehaltlichen Dimensionen dieser Musik [...]. Zum anderen verleiht Perahias weich perlender Klavierton und seine feinsinnige Pedalisierung dem modernen Konzertflügel eine fast schon an menschliche Stimmen erinnernde, gesangliche Dimension."Kurzbeschreibung
Fast 4 Jahre sind seit seiner letzten CD-Aufnahme, fast 6 Jahre seit seiner letzten CD mit Musik von Johann Sebastian Bach vergangen. Nach einer weiteren krankheitsbedingten Pause meldet sich einer der weltbesten Pianisten mit einer großartigen neuen Bach-Referenz-Aufnahme zurück. Murray Perahia hat die Partiten 2,3 und 4 von Bach in den berühmten Berliner Nalepa-Studios eingespielt und die ersten Rezensionen der Fachpresse sind mit Recht euphorisch: "Bach von betörender Intensität, mit geradezu philosophischer Seriosität und einer kaum zu überbietenden Plastizität, einer wunderbaren Balance aus Gewicht und Leichtigkeit. Hier zeigt sich, welch großer Erzähler Perahia ist." (Rondo). Die limitierte Erstauflage der CD erscheint als hochwertiges Digipack mit einem Faksimilie-Druck des ersten Notenblattes einer Bach Partita.Kundenrezensionen zu 'Perahia: Bach Partitas 2, 3 & 4'
Demut (27. Mai 2008)
Das ist es, was ich als erstes assoziiere, wenn ich heute Perahia mit Bach höre.Schon dadurch ganz anders als Gould. Dieser spielte immer Gould, der ein Stück von einem Komponisten spielt. Gould verwirklichte sich im Spielen, Perahia nimnmt sich ganz zurück und stellt das Stück in den Vordergrund.
Wie er in dem Trailer ausführt: da ist eine ganze Menge Spiritualität vorhanden. Dies bedeutet, dem Ego keinen besonderen Wert beizumesssen, sondern das Werk wirken zu lassen.
Perahia, anhaltend von einer Daumenverletzung gequält,darin Clara Haskil nicht unähnlich, vom Leben gebeutelt, ein Umstand, der seine Interpretationen noch innerlicher macht. Leid als Mühle für das Ego. Das Äusserliche wird zermahlen, es bleibt aber ein starker Kern- und aus dem heraus wird musiziert.
Das ist sicher nicht die einzige Sichtweise auf diese Musik. Argerich, Gavriloff,Pires ,Pogorelich oder Katsaris und Weissenberg haben alle sehr überzeugende Bach-Interpretationen geliefert und sind auf ihre Weise eine Alternative zu Gould.
Perahia in seiner innerlichen Art ist eine weitere ,sehr überzeugende Alternative.
Phänomenales Comeback! (2. Mai 2008)
Weil im Zusammenhang mit den Interpretationen der Klavierwerke Bachs immer wieder Vergleiche mit Glenn Gould angestellt werden, möchte ich meine Rezension der Einspielung von drei der sechs Partiten durch Murray Perahia an diesem an sich fragwürdigen Verfahren ansetzen. Was sind die Markenzeichen des Phänomens Gould in Bezug auf die Interpretation der Bachschen Klavierwerke? Zum einen sein anhaltendes Nonlegato-Spiel und zum anderen sein musikalischer Intellekt, sein unermüdliches Suchen nach Plastizität der Linie und Architektur. Jetzt muss man dies natürlich aus der Sicht seiner Zeit würdigen. Einer Zeit, in der die Monumentalität der Bachschen Musik mit Masse gleichgesetzt wurde: philharmonischer Orchesterklang, große Besetzungen und in Bezug auf die Pianistik üppige Klangstruktur, Überlegato und am 19. Jahrhundert orientierte Pedalisierung. Es ist die Zeit, in der die grandiosen Bearbeitungen von Feruccio Busoni mit Oktavierungen der Bassstimme u.a. als Ideal angeschaut und interpretiert werden. Bei aller Bewunderung für die Interpretationen dieser Zeit, Glenn Gould hat uns glücklicherweise dazu eine Alternative gezeigt. Eine Alternative, welche die Struktur der Musik kristallin werden ließ: der Strom wurde zur Quelle rückgeführt, kompromisslos die einzelnen Tropfen sezierend. So entfernte Gould die Patina gewissermaßen mit dem Skalpell und setzte auf das Gewebe der Linien, das er singend in sich selbst versunken nachzuempfinden trachtete. Genial, aber kaum je zu Herzen gehend.Und jetzt Murray Perahia: Auch er legt die Schichten dieser Musik frei, macht sie analysierend hörbar. Aber er macht es mit Herz und gibt damit der Bachschen Musik ihr Wichtigstes zurück: die Wärme. Jene humanistische Qualität also, die für Bach so wichtig war und die uns immer mehr verlustig zu gehen droht. Jede Phrase ist davon durchdrungen: es wird erzählt, gesungen und gejubelt. Und dies gelingt deshalb derart überwältigend, weil Perahia nebst seiner stupenden pianistischen Meisterschaft sowohl Intellekt als auch Empfindung gleichermaßen in sein Interpretationskonzept einfließen lässt: Rhetorik und Affekt sind wundersam vereint! Man höre Track 6 und 18 als Beleg und freue sich über das große Geschenk, das uns Perahia mit dieser Einspielung bereitet hat.
Nochmals zu Glenn Gould: Müsste ich Murray Perahia in dieses Umfeld stellen, würde ich sein Spiel als eine Mischung der Klarheit von Glenn Gould mit der Humanität von Dinu Lipatti würdigen. Dinu Lipatti, dessen Interpretation des Chorals "Jesu bleibet meine Freude" nach wie vor einen Meilenstein in der Interpretationsgeschichte darstellt.
Abschließend muss auch dem Tonmeister Christian Starke ein großes Kompliment gemacht werden. Eine geschickte Disposition der Mikrofonstellungen unterstützt die Transparenz der Musik und gibt den bezaubernden Klang des Instrumentes in seiner ganzen Schönheit wieder.
Subtile Anschlagskultur auf allerhöchstem Niveau - ein Leckerbissen! (31. März 2008)
Murray Perahia gehörte - offen gestanden - nie zu meinen Lieblingspianisten, denn bei anderen Komponisten als Bach trifft der Interpret eher selten meinen Geschmack.Seine Rückkehr auf die internationale Bühne nach mehrjähriger erzwungener Abstinenz ist eng verbunden mit einer intensiven Beschäftigung mit den Werken Johann Sebastian Bachs, denn beim wohl größten Komponisten des Barock scheint sich Perahia ganz in seinem Element zu befinden. Spätestens seit seiner aufsehenerregenden Einspielung der Goldberg-Variationen kann man wohl davon ausgehen, daß der Pianist längst kein Geheimtipp mehr in Sachen Bach ist. Da ist zum einen die überaus kultivierte Spielweise, die keinen einzigen ungeformten oder harten Ton, sondern nur wohl durchdachte und subtil angeschlagene Klänge hervorbringt. Perahia schafft auf diese Weise eine einzigartige Transparenz und hält die Partiten in einer ihnen gebührenden Balance. Zum anderen ist das untrügliche Gespür für die richtigen Tempi der zweite große Pluspunkt dieser Aufnahme. Hinzu gesellt sich noch absolute Texttreue und ein sicheres Gefühl für Stiltreue; selten hat man eine derart homogene Bach-CD gehört, bei der wahrlich alles auf demselben überirdischen Niveau eingespielt ist. Perahia kann es sich leisten, auf die exaltierten Manierismen eines Glenn Gould genauso wie auf extreme Tempi zu verzichten. Sein Bach atmet den Geist einer vollkommenen Ausgewogenheit sowie glasklarer Durchsichtigkeit (was durch die tadellose Aufnahmetechnik sogar noch weiter verdeutlicht wird) und ist voll und ganz dem Werk und nicht etwa der Selbstdarstellung dienlich.
Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, daß sich Perahia spätestens mit dieser Aufnahme in den erlauchten Kreis der bedeutendsten Bach-Pianisten aller Zeiten gespielt hat und gerade bei Bach immer wieder Tondokumente von bleibendem Wert, wenn nicht gar von Ewigkeitsrang, schafft. Man darf also weiteren Bach-Einspielungen Perahias voller Ungeduld entgegenfiebern!





