Aus der Amazon.de-Redaktion
Die großen Melancholiker der deutschen Rockmusik sind zurück und offenbaren, vor allem textlich, auf ihrem dritten Album durchaus neue Facetten. Mit Von Spatzen und Tauben, Dächern und Händen, ihrem letzten, 2005 veröffentlichten Album, gelang der Band aus Hamburg um Sänger und Songwriter Marcus Wiebusch der Durchbruch auf breiter Basis. Davon haben sich Kettcar aber nicht im geringsten beeindrucken lassen und verfolgen auf Sylt unbeirrt ihren eigenen Weg. Für die Produktion zeichnen diesmal gleich drei Leute verantwortlich, Moses Schneider (Tocotronic, Beatsteaks), Tobias Siebert (Phillip Boa) und Swen Meyer (Tomte). Eine gute und richtige Entscheidung, die sich musikalisch hörbar in bisher nie gekannter Vielfältigkeit niederschlägt. Kettcar wagen mit dieser Platte ganz bewusst den Ausbruch aus bisher bekannten Formen. Aber keine Angst, der Sound der Band klingt immer noch so unverwechselbar wie zuvor, nur dass man diesmal ein wenig mehr auf den Zufall setzt und es auch mal ordentlich krachen lässt. Inhaltlich ist der bisher gewohnte Blick nach Innen, auf die eigenen Befindlichkeiten, einer neuen, mehr nach Außen gerichteten Perspektive gewichen. Und genau dieser durchaus behutsam vollzogene Wechsel der Sichtweise macht Songs wie "Nullsummenspiel", "Kein Aussen mehr" oder das hymnische "Agonstik für Anfänger" so ungemein wertvoll. Kettcar demonstrieren auf Sylt eine Reife, die schon fast beängstigend wirkt. --Norbert SchieglKundenrezensionen zu 'Sylt (Deluxe Edition) CD + DVD'
Ein Toast auf das Leben..... (9. Mai 2008)
So, nun habe ich "Sylt" sicher an die 20x gehört. Wie auch die beiden Vorgänger ist es ein Album, das man mehrmals hören muss, in das man sich hineinleben und hineindenken muss... kein einfaches Album, nichts zum einlegen und lossummen. "Anstrengend" sind sie wieder, die Jungs. Man muss sich schon Mühe geben und sich mit ihrer Musik auseinandersetzen... aber plötzlich macht es "Klick" und man hat das Gefühl dabei zu sein. Die Songs sind im Ohr, im Gehirn und im Herz angekommen. Man summt die Melodie mit und denkt gleichzeitig über die im Text beschriebenen Situationen nach.Inzwischen ist bei einigen Liedern das bekannte Kettcar-Feeling aufgekommen. Erst nach mehrmaligem Hören erkennt man die Genialität, die Hintergründigkeit der Texte, und auch die teilweise perfekt dazu passende Musik.
Songs, die ich inzwischen immer wieder und wieder anspiele, und die mir mit jedem Hören besser gefallen sind z.B. das tiefmelancholische "Am Tisch", grandios inszeniert mit Trompenten ("Ein Toast... auf das Leben... das Glück... nur ich... ich komm nicht mehr mit... mit dem Leben... dem Glück...") ... oder das mitreissende "Wir müssen das nicht tun". Beim 1. Hören ein "lustiges" Mitsinglied... beim 2. und 3. Hören merkt man plötzlich worum's wirklich geht ("...und dann der eine schweigt... der andre weint... und beiden tut es leid...").... Typisch Kettcar eben, bei jedem Durchlauf entdeckt man neue Deutungsmöglichkeiten in den Texten.
Alles in allem also schon ein typisches Kettcar-Album. Für mich haben sie sich hauptsächlich textlich weiterentwickelt. War im 1. Album noch viel jugendlicher Überschwang zu erkennen (egal ob bei der Liebe, den Freunden,...), gab es im 2. Album mehr zur Ruhe kommen, verliebt sein, ein Leben aufbauen ... und jetzt im 3. Album eine etwas melancholische Resignation bezügl. des Alltags im Leben eines Enddreißigers...
Einen Stern Abzug gibt es, weil mich ein paar Lieder immer noch nicht so völlig überzeugen, so ganz und gar mitreissen - weil der Gesang z.T. LEIDER wirklich etwas genuschelt rüberkommt (sehr schade, gerade bei diesen genialen Texten!) - und weil für mich auch Sylt nicht ganz an "Du und wie viel von deinen Freunden" herankommt, das für mich nach wie vor das beste Kettcar-Album ist (und wohl auch bleiben wird?).
Papa singt Deutsch (9. Mai 2008)
Nach der neuen Hymne "Graceland" von Kettcar, mögen die folgenden Lieder etwas fremdlich wirken, wenn man den Stil weitererwartet. Für Menschen denen eine freundliche Stimme in unserer Zeit fehlt. Für Menschen denen der Weltschmerz nicht völlig unbekannt ist. Kann trotz der undeutlichen Aussprache des Leadsängers diese CD eine schöne und wichtige Erfahrung werden.Schritt zurück in die richtige Richtung. (8. Mai 2008)
Kurz gesagt: Top-Platte. Die auf der letzten CD leider erfolgte Furyintheslaughterhouserisierung ist erfolgreich gestoppt. Die DVD der Deluxe Edition läuft allerdings nur auf dem Rechner. Sternabzug dafür. Reguläre Edition reicht völlig und hat Fünf Sterne verdient.Ein zorniger Mann.... (6. Mai 2008)
So nun ist Sylt also da und wie ist es fragt man mich? Na ja es ist nicht einfach diese Frage zu beantworten. Wenn man die anderen beiden Platten von Kettcar kennt, ist Sylt eine CD geschrieben von einem zornigen Mann der mit der Welt abrechnet und das mit jedem Lied. War man auf der ersten CD auf der Suche, auf der zweiten verliebt melancholisch, ist man bei Sylt wütend und zornig. Das zeigt sich sehr schön in dem Lied "Wir müssen das nicht tun" Kettcar schaffen es die Chronologie eines Streits oder Trennung auf den Punkt zu bringen.Aber andererseits ist auch alles wie immer. Eine Band die sein möchte wie sie will. Kettcar bleiben nun mal Kettcar kein einfacher Nachmacher der letzten CD sondern eine gelungene Weiterentwicklung. Lieder wie "Fake for Real", "Am Tisch" und "Verraten" sind einfach Befindlichkeitsfixiert und habe Gänsehautgarantie. Aber wie sagen Kettcar so schön "Wir werden nie enttäuscht werden", wir auch nicht.
Wie Sylt im Winter! (2. Mai 2008)
Bei der Dominanz von Lobhudeleien ist es wahrscheinlich eher egal, aber ich bin der Ansicht, dass eine im Raum stehende "Weiterentwicklung" nicht zwingend bedeuten muss, bewährtes aufzugeben. Ich sah (hörte:o)) bisher Kettcar als lyricstarke, vocallastige Band, um die man behutsam Melodien gebaut hat. Und diese Strategie ist über die ersten 2 Alben sehr gut aufgegangen. Vocals sind ein wichtiges "Instrument", mit welchem nicht sorglos umgegangen werden sollte. Matt Berninger, Conor Oberst, Matthew Caws und James Mercer können ein Lied davon singen.Auf Sylt, bleibt alles anders! Die Vocals rücken in den Hintergrund, die Lyrics versteht man nur mit Texthilfe und kämpfen gegen leidenschaftslos aufgebaute Gitarrenwände, die einer College-Rock Erstsemenster Band genauso hätten entsprungen sein können. Selbst auf der "Hallo Endorphin" konnte sich Wiebusch besser durchsetzen, als hier auf dem neuen Machwerk und brauchte dazu "weniger als 5 Sekunden".
Ein gutes Album lässt sich nicht planen, man macht es oder eben nicht. Wenn die Messlatte bereits hoch liegt, dann wird es besonders schwer nicht an seiner eigenen Discography gemessen zu werden.
Ob es ein genialer Schachzug hinsichtlich Weiterentwicklung ist, mit einem Segment liebzuäugeln, welches eh schon hinreichend besetzt ist, will sich auch erst beweisen. Die "offiziellen" Kritiken lesen sich mehrheitlich eher wie das Einlösen eines Gefallens oder Heimvorteil.
Ich hoffe fürs 4. Album leistet man sich einen Producer der nicht in einer Anflugschneise wohnt. Wäre übrigens auch begrüßenswert wenn Kettcar auf seinen Tourneen beginnen würde auf guten Ton zu achten. Vor dieser persönlichen Kritik waren die 2 bisherigen Studioalben noch erhaben.
Von mir gibt es genau 3 Sterne, für mehr ist Sylt viel zu unauffällig. Das meint man auch in meinem Bekanntenkreis, zumindest der Teil den ich bisher zu diesem Album befragen konnte und die Vorgängerwerke, so wie ich, sehr schätzen!






