Aus der Amazon.de-Redaktion
Clueso war schon immer ein Musiker, der nicht auf grelle Effekte setzt, sondern lieber auf subtile musikalische Spannungsbögen und Texte, die auf angenehm ungekünstelte Weise alle Höhen und Tiefen des Alltags abdecken. Auf So sehr dabei vertraut er dieser nur leicht modifizierten Formel ein weiteres mal mit großem Erfolg. Waren schon die Vorgängeralben, allen voran Weit weg (2006), ein Quelle wahrer Freude, so hat sich der 28-jährige Musiker und Songwriter aus Erfurt diesmal selbst übertroffen. Mit Hilfe von Produzent Ralf Meyer (Xavier Naidoo, Die Fantastischen Vier) hat Clueso zusammen mit seiner Band in einer spanischen Finca 13 Songs eingespielt, die ihn so experimentierfreudig wie nie zuvor zeigen, ohne dass er dadurch seine Linie verliert. Ein Song wie "Geisterstadt", eine Hommage an Görlitz, wohin er sich mit Baris Aladay, dem Regisseur vieler seiner Videoclips, zum Schreiben von Texten zurückgezogen hatte, wird maßgeblich geprägt durch lange Instrumentalpassagen, die der Musik eine ganz neue Tiefe verleihen. Überhaupt verzichtet Clueso zunehmen darauf, sich zu sehr auf bewährtes zu verlassen. Diese neuerwachte Lust am Unbekannten führt dazu, dass die Songs wie zum Beispiel "Augen zu" oder das besonders bewegende "Niemand an dich Denkt" insgesamt freier und ungebundener klingen, was allerdings keinen Verlust von Eingängigkeit bedeutet. Das klassische Drei- bzw. Vier-Minuten-Songformat sprengt er trotz aller Experimente auf So sehr dabei nur drei mal. Besonders gelungen ist neben der wunderbaren Midtempo-Hymne "Keinen Zentimeter" die ungemein lässige Nummer "Jede Stadt". --Norbert SchieglKundenrezensionen zu 'So Sehr Dabei'
...ich bin dabei! (mich im Album zu verlieren) (4. Juli 2008)
Sicher kannte man Clueso irgendwie von irgendwoher schon, doch erst durch Keinen Zentimeter" gewann er die gebührende Aufmerksamkeit. Dieser leichtfüßig melodische Sommersong versprüht ein unbefangenes Freiheitsgefühl auf der einen Seite, doch auf der anderen erinnert er auch an früher und macht traurig, weil man merkt, dass etwas fehlt, man weiß aber nicht was es ist. Unentschlossenheit und Gefühlschaos und das schon bei nur einem von 16 Songs auf So sehr dabei". Mit einem ebenso unbeschwerten Sound beginnt das Album. Barfuss" sinniert über den Mutaufwand neue Wege einzuschlagen und die daraus resultierenden Konsequenzen. Es folgt das kryptische Augen zu", welches sich offensichtlich mit seiner musikalischen Entwicklung auseinandersetzt. Auf Geisterstadt" wird die ostdeutsche Heimat besungen, das besonders durch treffende Textzeilen und dem langen In- und Outro gelingt. Wie könnte es anders sein wird bei Wir woll'n Sommer" durch schüchterne Reagge-Beats Sommerfeeling verbreitet. Ein ähnliches Sommer-Flair findet man auch bei Niemand an Dich denkt", Weck' Sie nicht auf" und der neuen Single Mitnehm". Mit Jeder Stadt" hat Clueso wohl eine Hymne für alle parat, die gerade in eine fremde Stadt gezogen sind. Motivierend und mit einem Hauch Heimweh überzeugt auch dieser Song absolut. Auf keinen Fall verpassen sollte man den Titeltrack. So sehr dabei" schleppt sich melancholisch und orientierungslos ans Ende der Scheibe und rockt sich mit Gitarrenbombast ins Finale. Schöne Stimmung, toller Text. Auf keinen Fall überhören sollte man das verrückt bis bekümmerte Utopie". Anfangs noch Wirrwarr mit selbstbelügender Lebensbejahung, fällt die künstlich aufgebaute Stimmung dann plötzlich ab und der Track verwandelt sich in eine ängstliche und todtraurige Sinfonie. Ein bisschen Poesie überfällt einen in Gewinner". Anders als der Titel erahnen lässt ist hier das Gegenteil der Fall. Ein sehr schöner Song mit vielen Fragen und viel Erkenntnis:"...ich bin dabei, du bist dabei, wir sind dabei uns zu verlieren...". So sehr dabei" versprüht Charme, hat unendlich viele Details und überrascht mit zwar teilweise unausgereiften Lyrics, doch gerade diese Kanten geben dem Album einen sehr sympathischen Charakter. Angenehme Stimme, lässiger Typ, tiefschürfende Lyrics und der chillig unkomplizierte Sound machen dieses Album zu einem super Album.Die 4. Superplatte in Folge, ein großer Wurf (4. Juli 2008)
Der junge Thüringer Clueso (größter Hit: "Chicago") hat mit "So sehr dabei" endlich sein 4. Album veröffentlicht.Der Opener "Barfuss" zeigt bereits, wohin die Reise diesmal gehen soll - nur mit Akustik-Gitarre begleitet kündigt Clueso mit seiner unverkennbar rauchigen Stimme an, dass er etwas Neues wagt. Diesmal geht es endgültig weg von den HipHop-Einflüssen, die auf den bisherigen Alben noch deutlich zu hören waren, hin zum handgemachten, teilweise schon minimalistischen Songwriter-Pop/Rock. Die CD ist ruhiger, melancholischer, die Stücke sind oftmals länger und enthalten viele Instrumentaleinlagen. Track Nr. 2 ("Augen zu") ist etwas flotter, lockt zunächst mit einem Mitsing-Refrain und endet dann in einem kleinen E-Gitarren-Sturm, der einen der wenigen Rockeinflüsse auf dem Album darstellt. Es geht gemächlicher, sanfter, verträumter zur Sache, als wir es von seiner letzten Platte "Weit weg" gewohnt sind. "Niemand an dich denkt" ist der nächste nachdenkliche Song mit einem entspannten Beat, indem Clueso interessante "Indianer"-Gesänge präsentiert und von einer Sängerin im Background begleitet wird. Etwas munterer wird es bei "Wir wolln Sommer" - ein entspannter Sommerhit-Mitsinger zum relaxen. "Geisterstadt" sticht mit einem ruhigen Reggae-Beat aus der Platte heraus - ein etwas deprimierender Song, der von den ausgestorbenen Ghetto-Vierteln in Cluesos Heimatstadt Erfurt erzählt. Mit "Mitnehm" folgt wieder eine etwas flottere, locker-flockige Nummer, die fantastisch für eine entspannte Autofahrt geeignet ist. Es handelt sich um die 2. Single-Auskopplung des Albums. "Gewinner" ist dagegen wieder viel ruhiger - ein wunderschöner Song, der von ganz sanfter Mandoline und Gitarre begleitet wird.
In "Schreibe dir" geht es darum, einen Liebesbrief zu formulieren - auch hier sind Instrumente wie Drums und Posaune nur ganz leicht im Hintergrund angedeutet. "Keinen Zentimeter" ist der chartstaugliche Hit des Albums und die erste Single-Auskopplung, mit der Clueso bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest 2008 auf den 2. Platz kam und in dem er die Nähe beschreibt, die man sich bei frischer Verliebtheit zu seinem Partner wünscht.
Die Platte geht noch nachdenklicher weiter: "So sein wie du" ist eine entspannte Nummer mit Reggae-Einflüssen. In "Utopie" macht sich Clueso Gedanken über die Zukunft der Menschheit - im Intro sind zum einzigen Mal auf dieser Platte HipHop-Einflüsse zu hören, bevor dann schließlich die sanften Geigen und Harfen eines Orchester-Arrangements einsetzen. Das textlich etwas heitere "Verlierer" erinnert im Refrain ein bisschen an Trio ("Da Da Da") und den trockenen Gesang von Udo Lindenberg. Nach einer kurzen Pause, die aus einem Instrumentalstück besteht, geht es zunächst mit einem aufmunternden Song ("Jede Stadt") weiter, bevor die Platte dann mit "So sehr dabei" einen ihrer Höhepunkte erreicht - der titelgebende Song ist zugleich der depressivste des Albums, sehr schwer, traurig und mit einem unbehaglichen Bass am Ende. Die CD entlässt den Hörer aus der Nachdenklichkeit mit "Weck sie nicht auf", dem Abspann - wieder ein leiser Song, mit fast flüsterndem Background-Gesang.
Fazit:
Wohin soll das mit diesem Ausnahmetalent noch führen? Mit "So sehr dabei" ist Clueso wieder mal eine Ausnahmeplatte gelungen. Sein einmaliger Stil, das perfekte Songwriting und die rauchige Stimme machen ihn einzigartig in der deutschen Musikszene. Wieder einmal hat er sich weiterentwickelt, wieder einmal beweist er, dass er mit seinen großartigen Songtexten das Zeug zum Grönemeyer-Nachfolger hat. Kurz: eine wunderschöne CD, die in jede Sammlung gehört. Manko: Clueso entfernt sich immer weiter von seinen Wurzeln, der HipHop-Szene, aus der ursprünglich kommt (er ist bei "FourMusic", dem Label der Fantastischen Vier). Rap-Einflüsse sind kaum noch zu hören, auch die Stilvielfalt vom letzten Album "Weit weg" vermisse ich etwas, da die Songs zwar schön sind, aber auch alle sehr ähnlich. Weniger Rock, weniger Reggae, weniger Stil-Mix, und leider kein Duett (wie auf dem letzten Album z.B. mit Freundeskreis-Frontman Max Herre). Und dann wäre da noch die depressive Stimmung. Clueso will zum nachdenken anregen, das wird deutlich. Aber passt so eine deprimierende, melancholische CD zum kommenden Sommer? Einigen wird die Stimmung des Albums vielleicht etwas zu düster geraten sein. Daher mein Tipp: Kaufen, ins Regal stellen und im Herbst anhören. Es lohnt sich. Eine Platte für alle, die gerne träumen und nachdenken.





