Aus der Amazon.de-Redaktion
Trent Reznor macht mal wieder, was er will. Mit einer großen Plattenfirma hat der amerikanische Großmeister des Industrial-Rock gebrochen, um sich als nun als Indie alle musikalischen Freiheiten zu gewähren. Und diese schöpft der Mastermind der Nine Inch Nails auf Ghosts I-IV bis zur Neige aus, allerdings nicht in der Form, wie man es von ihm gewohnt. Anstatt wütendem Gesang gibt es Instrumentalmusik, die krachenden Rhythmen wurden an die Leine genommen und den Gitarren Jaulverbot aufgelegt. Weitgehend jedenfalls, denn Ghosts I-IV ist nach Reznors ein Soundtrack zu Tagträumen. Der Mann muss ein merkwürdiges Gemüt haben, denn neben vielen sehr anmutigen Ambient-Stücken, Pianoklängen a la Erik Satie Elektronika, Tribal-Beats und auch Dub kriecht durch immer eine alptraumhafte Düsternis durch die Stücke, die keine Songs sind. Reznor fertigte die 36 stimmungsvollen Tracks über einen längeren Zeitraum wie Skizzen an, die nicht ausformuliert und in eine stringente Reihe wurden und damit geisterhaft bleiben. --Sven NiechziolKundenrezensionen zu 'Ghosts I-IV'
Ein Experiment (4. Juni 2008)
Nine Inch Nails. Halo 26. Ghosts I-IV. Mit diesem Werk liefert Trent Reznor sicher ein Album, an dem sich die Geister scheiden, was auch innerhalb der Fangemeinde zutreffen dürfte. Denn wenn man Ghosts I-IV in den NIN-Gesamtkontext einordnet, stellt es sich ganz klar als von der Norm abweichendes Experiment dar. Zum einen und vor allem, weil es ein reines Instrumental-Album ist, bei dem Mastermind Reznor gänzlich auf den sonst doch sehr vordergründigen Gesang verzichtet, und das über eine Doppelalbumlänge von 36 Stücken. Zum anderen ist Ghosts I-IV ein Experiment aufgrund der Rahmenbedingungen, unter denen es entstanden ist: Das Material für das Album wurde in gerade mal zehn Wochen zusammengestellt, wodurch sich das siebte Major-Release der Nine Inch Nails gravierend von den Vorgängern unterscheidet, für die sich Reznor mitunter Jahre an Zeit genommen hat (z.B.The Fragile). Resultierend daraus zeugt Ghosts I-IV auch mehr von Spontanität als von exzessiver Ausgefeiltheit.Wie sieht nun das Resultat dieses Versuchs aus? War das Experiment ein Erfolg? Die Antwort darauf muss differenziert ausfallen. Wie gesagt, wird nicht jeder etwas mit Ghosts I-IV anfangen können. Man merkt den 36 Tracks eindeutig an, dass sie unter relativem Zeitdruck entstanden sind, denn sie sind kurz gehalten (durchschnittlich wohl unter drei Minuten) und weisen relativ wenig Komplexität auf, vor allem im Vergleich zu früherem NIN-Material. Es handelt sich bei den Tracks, so hat es den Anschein, auch eher nur um einzelne Ideen als um komplette, eigenständige Songs, die für sich selbst stehen könnten. Diese Ideen, die durchaus zu gefallen wissen, werden dann auch nur angeschnitten, man sieht quasi nur die Spitze des Eisbergs, ausgeführt werden sie nicht. Das Ganze mag somit ein wenig oberflächlich erscheinen.
Musikalisch gesehen bleibt Trent Reznor wohl auch hinter den Möglichkeiten eines Instrumental-Albums zurück, denn was er liefert, ist zwar eine solide Mischung aus sanften Pianoparts und typisch verstörenden Elektrostücken, aber im Grunde nichts Neues, er beschreitet nicht wirklich neue Pfade. Ghosts I-IV ist eben NIN, nur ohne Gesang. Nine Inch Nails minus Gesang. Und hier wird auch deutlich, wie wichtig, wie essentiel Reznors Gesang tatsächlich für das Projekt Nine Inch Nails ist. Man erkennt zwar alles eindeutig als Nine Inch Nails, aber hier und da würde
Reznors Stimme den Stücken doch etwas mehr Struktur verleihen können, auch etwas mehr Würze, die doch manchmal vermisst wird. In besagter Abwesenheit des Gesangs liegt wohl auch der grösste Kritikpunkt derer, die sich mit dem Album nicht anfreunden können, weil sie Reznors Stimme zu Recht als tragendes Element der Nine Inch Nails sehen. Eben diese werden an Ghosts I-IV keinen großen Gefallen finden. Doch die Tatsache, dass das Album ohne stimmliche Akzente auskommt, hat nicht nur negative Auswirkungen.
Auf der CD-Hülle findet sich ein Aufkleber mit den Worten Soundtracks for Daydreams, was der Realität durchaus nahe kommt. Ghosts I-IV hat in der Tat etwas Traumhaftes, fast schon Meditatives, wenngleich meditativ im Zusammenhang mit den typisch entrückenden Geräuschkulissen der NIN nicht das richtige Wort sein mag, aber das Album lädt auf jeden Fall dazu ein, sich in der NIN-eigenen Atmosphäre treiben zu lassen, was eventuell tatsächlich durch das Fernbleiben von jeglichem Gesang unterstützt wird, vor allem, weil die wunderschönen Piano-Parts so noch stärker zu wirken scheinen. Generell sollte man also Ghosts I-IV nicht zu voreilig als Niete abstempeln und im Regal verschwinden lassen. Das Album ist definitiv nicht die herausragendste Leistung Reznor's - bei weitem nicht, wie ich finde - doch bietet es nichtsdestotrotz einige hörenswerte Perlen, die nicht zu verachten sind. I:7 fährt dem Hörer wie Strom durch die Glieder, wirkt geradezu elektrifizierend, und das Aufmerksamkeit erzeugende III:19 scheppert in bester NIN-Manier. Als durchaus gelungen muss man beispielsweise auch das treibende III:24 sowie IV:28, IV:31 und IV:35 sehen, bei denen sich allen voran die Gastmusiker Allesandro Cortini (Ladytron) und Adrian Belew (King Crimson) hervorzutun wissen. Den Höhepunkt von Ghosts I-IV markiert meiner Meinung nach IV:33 mit seiner düsteren Atmosphäre, seinem durchdringenden Bass und einem Beat, der ein wenig an den Hit Closer erinnert.
Was mich auf diesem Instrumental-Album, welches stilistisch beinahe alle NIN-Phasen anschneidet, positiv überrascht, ist die Tatsache, dass Trent Reznor den Verzicht auf Gesang nicht krampfhaft durch Effekthascherei zu kompensieren versucht. Demzufolge empfinde ich Ghosts I-IV auch nicht als unmotiviert, wie ich es manch anderer Kritik entnehmen konnte, sondern als ungezwungen. Auch wenn die Stücke wie bereits erwähnt recht kurz sind, geht man die Sache gelassen an und versucht nicht, den fehlenden Gesang zwanghaft zu ersetzen. Man belässt es einfach bei etwas weniger als sonst, und tut gut daran.
Wie fällt nun das Fazit aus? Schwierig. Ghosts I-IV ist ein gelungenes, ein befriedigendes Album, auf dem sich Trent Reznor musikalisch selbst treu bleibt und hundert Prozent Nine Inch Nails lebt. Ghosts I-IV lässt aber als Instrumental-Album teilweise doch sehr zu wünschen übrig, eben weil der Tiefgang und der Sinn für das Detail fehlen (dass nicht gesungen wird, empfinde ich prinzipiell nicht als schlecht, weil so die Möglichkeit eröffnet wird, sich auf andere Dinge zu konzentrieren). Insgesamt erscheint das Ganze irgendwie als nicht fertig, nicht abgerundet, voreilig abgeschlossen. Mancher wird sagen, Reznor hätte ein echt gelungenes Album abliefern können, sofern er sich doppelt so viel Zeit genommen und das Material halbiert bzw. anders arrangiert hätte. Doch war es überhaupt die Zielsetzung von Reznor, ein für sich stehendes Album, ein ausgefeiltes Werk in der Tradition von Alben wie The Downward Spiral oder The Fragile zu liefern? Ich glaube nicht. Vielmehr führt Reznor hier wohl eine Idee fort, ein vor einiger Zeit gestartetes Experiment, bei dem die Grenzen zwischen Künstler und Publikum zu verschwimmen scheinen. Denn auch bei Ghosts I-IV lädt er seine Fans mit dem Angebot entsprechender Software aktiv dazu ein, die Tracks neu zu arrangieren, an ihnen herumzubasteln, und sie dann für alle zugänglich ins Netz zu stellen. Er überlässt es also quasi dem Publikum, Ghosts I-IV zu Ende zu führen und etwas daraus zu machen. Er liefert lediglich einen Baukasten, ein paar Bausteine, die zur Partizipation und zur Kreativität einladen sollen. Es dürfte wohl auch kein Zufall sein, dass er die Tracks lediglich mit Nummern und nicht mit echten Titeln versehen hat. Somit bestätigt sich einmal mehr, dass Ghosts I-IV aus der Reihe fällt, ein Experiment ist, was konsequenterweise auch den direkten Vergleich mit früheren Alben verbietet.
Ebenso differenziert wie die Betrachtung des Albums muss nun auch die Kaufempfehlung ausfallen: Ghosts I-IV ist eindeutig nicht repräsentativ für die Nine Inch Nails, was meiner Abhandlung zu entnehmen ist. Somit würde ich einem NIN-Einsteiger von diesem Album abraten. Er täte sicher besser an jedem anderem Studioalbum der Vergangenheit.
Für eingefleischte Fans dagegen ist Ghosts I-IV eigentlich ein Muss, sofern man sich damit abfinden kann, dass auf diesem Album eben nicht gesungen wird. Es handelt sich einfach um eine andere Herangehensweise, die verdeutlicht, dass die NIN weit mehr sind als nur Gesang, was echten NIN-Fans aber ohnehin klar sein sollte.
NIN Qualität mit neuem Konzept (28. Mai 2008)
Diese Produktion ist kein Album im herkömmlichen Sinn: Zu kurz sind die Stücke, kein Gesang, noch dazu ohne Namen - nur durchnummeriert. Jedes Stück hat meist nur ein Thema, das sehr kurz zitiert wird und zuweilen aprupt endet. Ich glaube, das ist durchaus so gewollt - so wie Aphorismen in der Literatur, also keine unfertigen Stücke, sondern kurze "Sound-Aphorismen".Dies alles aber in gewohnter NIN-Qualität, mit wunderbaren Klaviereinlagen (mitunter die Klavier-Samples nicht "gestimmt"), tendenziell ruhig, ohne langweilig zu sein, mitunter wüst und laut. Ein Album, das genau gehört werden will.
Warum "nur" 4 Sterne? Manche der kurzen Stücke haben soviel Potenzial, dass man sie dann doch gern als "ausgewachsene Stücke" in voller Länge hören möchte. Vielleicht ändert sich das noch mit der Zeit, NIN-Werke (gerade die Instrumentalstücke) reifen ja mit der Zeit immer mehr beim Zuhören heran.
Wie an anderer Stelle zu lesen ist: "Trent Reznor ist unfähig, schlechte Songs zu schreiben." Dem kann ich nur beipflichten.
es könnens also nicht nur bach und mozart.... (2. Mai 2008)
...mehr oder minder wohlwollend beschallt von mozart bach und co im musikunterricht mit dem gedanken was net singt ist kein lied und gefällt einfach nicht,habe ich mit diesem album nicht kämpfen müssen ,gar mich quälen.nur weil ein guter name dahinter steht muss es ja auch gut sein im hinterkopf.
Und dann entwaffnend, nichts kein gedanke an nichts, solange die zweifel an "instrumental" "2 stunden" "36 lieder" und nine inch nails passt das? wird das langweilig?
nicht die bohne
man kann nicht aufhören, interesse für name, anfang ,ende, hintergedanken, nicht vorhanden
nur interesse ....
wonach?
keine ahnung , es fesselt einfach selbst einen absoluten nin noob der nur die ein zwei bekannten lieder kennt , woher auch immer,
aber der griff lohnt sich ins dunkle ungewisse neue universum von trent....
was ein genie noch nie war für mit-zwanziger ,aufgewachsen mit bravo hits und hugos mega dance, instrumental musik so wertvoll so fesselnd so schön so unausweichlich
vermittelt es ein lebensgefühl?
keine ahnung was es genau vermitelt
nur es ist einfach kunst unerklärlich keiner erklärung nötig fesselnd
sitze nun seit geschlagenen 10 stunden mit kopfhörern auf meinem sofa und kann nicht loslassen
noch nicht
werde wohl mit musik von nine inch nails einschlafen
gute nacht
Es wurde Zeit (1. Mai 2008)
Endlich hat Trent Reznor eine Platte veröffentlicht, auf welche die Fans bereits seit Jahren gewartet haben (spätestens nach den fragilen Songs der "Still" EP). Natürlich gibt es genügend Anhänger, die alles toll finden, wenn doch nur NIN auf dem Cover steht, aber auch objektiv gesehen, ist dieses Album fantastisch und hätte sound- und gefühlstechnisch bereits nach "The Downward Spiral" kommen müssen, statt des Doppellangweilers "The Fragile".Mit "Ghosts" erschaffen Reznor und sein Buddy Attticus Ross 36 atmosphärische Soundscapes für das eigene Kopfkino. Gitarren existieren nur vereinzelt, härtere Beats sind ebenfalls Mangelware und Gesang... nun, es sind zwei reine Instrumentalsilberlinge. Viel Piano, dubbige Beats und ambientartige Musiklandschaften bestimmen "Ghosts". Hier und da ist ein Track zu abrupt beendet oder irgendwie zu kurz, aber gut, dass war auch auf früheren Werken Reznors bereits so.
Ambient oder so? Das ist ja langweilig! Ganz im Gegenteil - es funktioniert tatsächlich über knapp zwei Stunden Spielzeit, bleibt spannend, unheilvoll und wird an den richtigen Punkten durch eine jaulende Gitarre aufgelockert und Reznor schafft etwas, was ganz selten in der heutigen, austauschbaren Musikindustrie der Fall ist: er hat ein extrem charaktistisches Soundbild, auch ohne Gesang. Egal ob es die Gitarren, die Beats oder das Piano ist - man erkennt zu 100 % die NIN.
Einige der Tracks erinnern an die Arbeit von Angelo Badalamenti und immer wieder möge man beim Hören niederknien und rufen "Mehr davon und bitte gebt dem Mann Soundtracks zum komponieren!"
Geiler Soundtrack! (4. April 2008)
Als ich zum ersten mal von der 'Ghosts' hörte, dachte ich "Was? Der soll keine Zeit verschwenden und ein richtiges Album rausbringen". Mittlerweile sehe ich das anders. Ich finde die meisten Tracks richtig klasse und höre sie momentan zu jeder Gelegenheit. Das ganze hat irgendwie Soundtrack-Charakter.Die Tracks sind alle recht unterschiedlich und meiner Erfahrung nach kann man damit schnell Leute infizieren, die nie zuvor was von NIN gehört haben.
Dennoch freue ich mich auf das nächste "richtige" Album. ;)






