Amazon.de
Bei einem eigenwilligen Künstler wie Beck Hansen muss man immer auf alles gefasst sein. Doch die Überraschungsmomente werden auf seinem zehnten Album wohl dosiert serviert.Bei aller Vielseitigkeit in der stilistischen Ausrichtung eint die zehn Tracks auf dem von Beck und Danger Mouse gemeinsam produzierten Werk Modern Guilt eine tief melancholische Note. Seine Dance-Affinität hat der Gute wohl endgültig ad acta gelegt. Was nicht bedeuten soll, dass man zu Becks Musik heute nicht mehr tanzen könnte, aber so richtig zwingend ist das hier trotz gewohnt grooviger Beats höchstens noch bei zwei oder drei Nummern, zum Beispiel dem beschwingten Titeltrack. Ansonsten ist Modern Guilt doch eher eine Platte zum Hören und sich dabei weit zurücklehnen. Die souveränen Arrangements sind wie immer schön reduziert gehalten, so dass jedes noch so kleine Detail wunderbar zur Geltung kommt. Besonders wirkungsvoll ist das bei sphärisch entrückten Songs wie "Chemtrails", wenn Beck scheinbar schwerelos durch ferne musikalische Galaxien gleitet. Gerockt wird auf Modern Guilt allerdings auch, mit "Gamma Ray" präsentiert er eine charmante, knackige Sixties-Garagen-Nummer und wenn bei "Soul Of A Man" die Gitarre den Song eröffnet, könnte man fast meinen, dass sich hier ein Doors-Lied auf die Platte geschummelt hätte. Im weiteren Songverlauf ist es dann zwar wieder rundherum Beck, doch so viel knarzigen Blues gibt es von ihm nur selten zu hören. Insgesamt ist Modern Guilt eine tolle Platte, die es mit Becks Meisterwerken Mellow Gold, Odelay oder Sea Change durchaus aufnehmen kann. -- Dirk Siepe
kulturnews.de
Schlechte Platten hat Beck auch in den Nullerjahren nicht veröffentlicht, doch nie war er so gut wie in den 90ern. Mit Produzent Danger Mouse (Gnarls Barkley), ein paar durchgeknallten Psychrockplatten und vielen Joints hat er sich fürs achte Studioalbum in die Zeitmaschine gesetzt - und rauscht gleich zurück bis in die Hippieära. Mit zehn Songs auf 33 Minuten ist "Modern Guilt" ein verdammt komprimierter Trip: Der Singer/Songwriter aus Los Angeles. haut Folk, Psychedelica, Minimalelektronik und Orchestersounds zusammen, und was er in diesem halben Stündchen an kreativen Ideen unterbringt, hätte für drei Doppelalben gereicht. Vielleicht braucht es einige Durchläufe, bis man grandiose Songs wie "Chemtrails" oder "Walls" als unverzichtbare Sommerhits erkennt. Und vielleicht überhört man lange Zeit, dass bei "Chemtrails" die "Aaahhh aaahhh"-Gesänge im Hintergrund mit Cat Power ungemein prominent besetzt sind. Doch man denkt bei dieser Platte nicht nur an die Zombies, Pink Floyd und die Flaming Lips. Man denkt auch an "Odelay" von 1996, an den besten Beck aller Zeiten. (cs)Kurzbeschreibung
Beck überrascht die Musikwelt in diesem Sommer mit einem luftig-sommerlichen, knackig-kurzen Meisterwerk. Wo sein letztes Album „The Information“ mit 20 Songs und einer Bonus-DVD ausgestattet war, konzentriert sich „Modern Guilt“ auf’s Wesentliche: 10 richtig gute Songs mit allerfeinsten Retro-Beats und einem britischen Vibe. Co-produziert wurde das Werk von Danger Mouse (Gnarls Barkley) und Chan Marshall (Cat Power) lieferte einige Backing Vocals. „Modern Guilt“ ist das 10. Album des Singer/Songwriters aus Los Angeles, mit dem er an seine besten Alben anknüpft. Wer von „Odelay“ oder "Sea Change" begeistert war, wird „Modern Guilt“ lieben.Kundenrezensionen zu 'Modern Guilt'
beck? modern und beliebig (26. August 2008)
wenn man vom "alten" beck redet, dann hört euch "One Foot in the Grave" an. wer meint, dass odelay schon zuviel pop war, sollte auch von "Modern Guilt" die finger lassen!Treble Maker (13. August 2008)
Diese musikalischen Abreißcollagen aus der Flower Power Zeit sind wirklich sehr schön und sprechen auch die Opis an ,aber : Was macht Kenny Takahashi , wenn er nicht mixt ? Kann er das dann bitte hauptberuflich tun und bitte nicht mehr mixen ? Diese zischeligen e-beats und permanent übersteuerten Gitarren nerven gewaltig . Das klingt stellenweise so ,als sei das Album mit dem Handmikrofon und offenem treble Schieber als bootleg in einem Müllcontainer ( "anonyme Studios" steht im booklet ) aufgenommen worden . Das soll so sein ? Kickem the ass ? Das ist nicht cool Jungs .Return to form (1. August 2008)
Beck hat mal auf seine Armbanduhr geschaut und entschieden es ist mal wieder Zeit für einen Änderung und holte sich Danger Mouse von Gnarls Barkley an Bord als Produzent. Trotzdem ist Modern guilt" nicht die radikale Abkehr vom typischen Beck-Sound wie uns im Vorfeld zur Veröffentlichung der Künstler selbst und seine Plattenfirma glauben machen wollten.Chemtrails und Gamma Ray sind fast klassische Beck-Songs bei denen Danger Mouse die einfache Basslinie genommen hat und daraus einen komplexen Popsong gebastelt hat.
Pop ist danach weiterhin auf der Agenda, Soul Of A Man und der scharfe, scheidende Titeltrack sind einfach, kantig und sehr modern produziert. Bei einer Länge des Albums von gerade mal etwas über dreißig Minuten ist fast jedes Stück so aufgebaut das man es selbst nach dem ersten hören nicht vergisst, das quirlige Youthless und der basslastigen Opener Orphans fressen sich sofort in die Gehörgänge und wollen dort nicht mehr raus.
Einen ersten wirklichen Schock erfährt man, wenn man das erste mal Volcano hört, mit diesem Stück hat Meister Beck wohl sein m.E. bestes Stück überhaupt geschrieben. Die Melodie, melancholischer Backgroundgesang und die Produktion gehen hier eine wirklich kreative Symbiose ein.
Beck hat zwar immer noch nicht die Qualität von Odelay erreicht ist aber m.E. auf dem besten Weg dorthin.
Beck is back (23. Juli 2008)
Beck is back. Und er hat einen Hut mitgebracht. Doch ganz kurz und knapp: Die Platte ist schlicht: Grandios. Beck beherrscht jede Spielart. Auf dieser Platte ist Beck - im Gegensatz zum vollgepackten grandiosen Vorwerk THE INFORMATION - spartanisch unterwegs. Bass, Schlagzeug, Gitarre , ein paar wenige Samples und seine gigantische Stimme müssen genügen. Er kann aber auch einfach alles! Vielleicht liegt es an seiner Religion. Er wird ja schließlich auch nicht älter. Man muss sich nur mal Bilder von 1994 ansehen, und dann ein Beckfoto aus der Jetzt-Zeit. Es ist ein unerklärbares Phänomen. Hurra! Endlosschleife.Pop ist Sheriff (21. Juli 2008)
Eigentlich macht Beck ja seit 1994 immer dieselbe Platte, was nun die Herangehensweise anbelangt: er prahlt geradezu unverschämt mit seinem pophistorischen Wissen, indem er Versatzstücke aus anderen klassischen Pop und Rock Songs verwendet und den Hörer dadurch unentwegt unbewußt (oder doch bewußt?) dazu auffordert an diesem Ratespiel teilzunehmen. Pop ist in diesem Kontext natürlich genreübergreifend als ,populäre Musik' zu verstehen, und beinhaltet also durchaus auch mal lateinamerikanische oder afroamerikanische Stile.Ob das aber nun wirklich gut ist kann man bezweifeln, denn: fehlt die zwingende Melodie, der Refrain der ins Ohr geht, dann bleibt das Ganze zwar ein - zugegeben - äußerst faszinierendes und kunstvolles patchwork, schießt aber am eigentlichen Ziel des popkulturellen Ansatzes - nämlich zu unterhalten - ein wenig vorbei, und wenn es dies trotzdem schafft, dann mehr oder minder nur zufällig. Für diese These spricht unter anderem, daß Beck ja nun nicht gerade ein Garant für Top Ten Hits ist.
Auch auf ,Modern Guilt' indem er sich weitestgehend dem Pop - diesmal als musikalische Stilrichtung zu verstehen (ja und Pop soll eben - per definitionem - gefallen, ins Ohr gehen) - widmet, ist das eigentlich nicht anders, und als etwas abgeklärter Musikkonsument wird man es dann schon leid beim dritten oder vierten Song nun zu erraten aus welchem Byrds, oder Beatles Song denn nun wieder dieses Arrangement, oder diese Harmoniefolge sein könnte, und wenn man nicht mehr bereit ist dieses Spielchen mitzuspielen und sich einfach nur auf die Kompositionen konzentriert, dann bemerkt man, daß diese zwar durchaus mit überraschenden Wendungen und ungewöhnlichen Ideen aufwarten, aber eigentlich gar nicht mal so zwingend und gut sind.
Man würde Beck sicher unrecht tun, stellte man ihn nun als Blender dar, aber die Vermutung liegt durchaus nahe, daß er bei aller Selbstverliebtheit, ob seines intellektuellen selbstdefinierten popkulturellen Ansatzes, in der Ausführung dann irgendwie nachlässig und schlampig, vor allem beim Komponieren ist.
Doch ja, es ist eine gute, interessante und streckenweise auch faszinierende Platte; ,Youthless', ,Soul Of A Man' (mit Rock Riff) und ,Modern Guilt' haben auch ein wenig Hit-Potential, trotzdem: das Attribut ,zwingend' kann ich auf diesen Longplayer leider nicht anwenden.
Weil aber Beck's Einfluß auf die Popmusik eigentlich wesentlich wichtiger ist - nämlich gewohnte Hör und Kompositionsmuster aufzubrechen - er auf diesem Album sich zumindest tw. bemüht hat, den Song in den Vordergrund zu stellen und es seit ,Midnite Vultures' sein gefälligstes Werk ist- 4 Sterne.






